Wien. (kle) Seit Herbst ist der Onlinehändler Amazon auch als Zusteller aktiv - vorerst im Großraum Wien. Damit hat der amerikanische Konzernriese den österreichischen Paketmarkt ziemlich in Bewegung gebracht. Wie es am Dienstag überraschend hieß, tritt nämlich die Deutsche-Post-Tochter DHL, zuletzt die Nummer zwei am Markt, einen großen Teil ihres Zustellergeschäfts im Rahmen einer langfristigen Partnerschaft an die Österreichische Post ab. Die Übernahme durch den Branchenprimus soll im Lauf des Jahres 2020 erfolgen.

Vorgesehen ist dabei, dass die teilstaatliche Post drei DHL-Logistikzentren - Wien-Leasing, Graz und Enns - sowie 220 DHL-Mitarbeiter unter ihre Fittiche nimmt. Über weitere Details zur geplanten Partnerschaft - ob etwa ein Kaufpreis seitens der Post gezahlt wird und wenn ja, in welcher Höhe - haben beide Vertragspartner Stillschweigen vereinbart.

An der Börse in Wien kam der Deal gut an: In der Spitze stieg der Aktienkurs der Österreichischen Post am Dienstag um 5,5 Prozent auf 36,34 Euro. In Frankfurt legte die Deutsche-Post-Aktie um bis zu drei Prozent auf 28,92 Euro zu.

Marktanteile 2018. - © APAweb/APA Grafik
Marktanteile 2018. - © APAweb/APA Grafik

Wettbewerbshüter am Zug

Ein Erste-Bank-Analyst hatte noch zu Jahresbeginn gemeint, dass der Markteintritt von Amazon als Zusteller dazu führen könnte, dass DHL in Österreich mittelfristig ungefähr drei Millionen Pakete weniger ausliefern wird. Unter diesen Umständen werde es für DHL "schwierig, wenn nicht sogar unmöglich", profitabel zu werden. Und dies könnte dann zu einem Schulterschluss mit der Österreichischen Post führen, mutmaßte der Analyst schon damals.

Allerdings könnte sich der jetzt fixierte Deal als kartellrechtlich problematisch erweisen. Wie der Chef der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), Theodor Thanner, über die Austria Presse Agentur ankündigte, werde man den Deal genau prüfen. In der Vergangenheit hat die BWB bei Zusammenschlüssen mit hohen Marktanteilen Marktbefragungen durchgeführt. Dies werde auch in diesem Fall erwogen, so Thanner. Im Regelfall hat die BWB vier bis sechs Wochen Zeit für die Fusionskontrolle, besonders heikle Fälle gehen ans Kartellgericht. Neben der BWB ist auch die deutsche Wettbewerbsbehörde am Zug.

Post-Marktanteil bei 47 Prozent

Post-Chef Georg Pölzl sieht indes kein Wettbewerbsproblem. Er argumentiert, dass sich die Marktanteile am Paketmarkt durch den Einstieg von Amazon deutlich verschieben würden - jedenfalls weit über die zwei Prozent, die das "Branchenradar" für Amazon für 2018 ausweist. Dennoch: Im Vorjahr entfielen auf die Post und DHL insgesamt 74 Prozent des Marktes, wobei allein die Post auf 47 Prozent kam. Wie viel Amazon sich vom Paketkuchen, der wegen des boomenden Onlinehandels rasant wächst, in Zukunft abschneidet, ist laut Pölzl aber schwer abschätzbar. Wenig wird es freilich wohl nicht sein.

In einer Aussendung sprach DHL mit Blick auf die Österreichische Post von einer "langfristigen Partnerschaft zur Forcierung des Paketgeschäfts". Weitere Möglichkeiten einer Kooperation würden für den Bereich E-Commerce geprüft. Daneben betonten die Deutschen aber, dass die jetzige Vereinbarung "keinerlei Auswirkung auf die Aktivitäten von Deutsche Post DHL Group im internationalen Expressgeschäft, beim Frachttransport und bei Supply-Chain-Lösungen in Österreich" habe.

2018 hat die Deutsche Post über ihre Tochter DHL rund 28 Millionen Pakete in Österreich ausgeliefert. Bei der Österreichischen Post waren es rund 108 Millionen Pakete. Bis 2022 sollen es 150 Millionen sein. Mit der Kooperation, bei der die Post DHL-Zustellpartner ist, sieht Pölzl "einen wichtigen Schritt gesetzt", das bisherige Ziel schon früher zu erreichen.

Weiter Suche nach Bankpartner

Nach dem Rückschlag bei der Suche nach einem Finanzpartner als Ersatz für die Bawag und der Affäre rund um die Datensammlung durch die Post ist Pölzl mit dem jetzigen DHL-Deal ein Coup gelungen. Zu der noch ausstehenden Banklösung - die Post will ihren Kunden auch nach 2019 Finanzdienstleistungen anbieten - meinte der Post-Chef am Dienstag: "Es tut sich sehr viel." Die Post sei in guten Verhandlungen, man komme gut voran.