Brüssel/Wien. Klimaschützern hat das schon lange gestunken: Während Regelungen zur CO2-Minderung bei Autos längst selbstverständlich sind, blieben vergleichbare Maßnahmen für schwere Nutzfahrzeuge bisher aus. Die gute Nachricht: Den Wettlauf um emissionsfreie Brummis hat das nicht gestoppt. Ganz vorne mit dabei ist der deutsche Autohersteller Daimler Benz, der seine E-Trucks ab 2021 in Serie produzieren will. Mitte Februar hat der Stuttgarter Autobauer die Entwicklung eines noch schwereren E-Sattelschleppers ankündigt. Auffallend dabei war das Timing, einigten sich EU-Parlament und die Verkehrsminister der EU-Mitgliedstaaten just einen Tag später darauf, den CO2-Ausstoß auch für Lkw zu regulieren.

Die Abmachung sieht vor, dass neu zugelassene schwere Nutzfahrzeuge ab 2019 im Vergleich zu 2015 um 15 Prozent weniger CO2 ausstoßen sollen. Ab 2030 sollen die CO2-Emissionen dann 30 Prozent niedriger sein als derzeit. "Die neuen Zielwerte werden nicht nur dazu beitragen, Emissionen abzubauen, sondern auch Kraftstoffeinsparungen für Verkehrsunternehmen und saubere Luft für alle Europäer ermöglichen", begründet Miguel Arias Cañete, Kommissar für Klimapolitik und Energie die CO2-Reduktionspläne.

WKÖ: "Viel zu ambitioniert"

Während der Umweltverband Transport & Environment (T&E) die EU-Pläne als "eine exzellente Nachricht für Lkw-Fahrer und die Umwelt" bezeichnet, sind Europas Fahrzeughersteller alarmiert "Die geplanten Reduktionsziele der EU sind viel zu ambitioniert. Das liegt vor allem daran, dass bei schweren Nutzfahrzeugen das vorhandene Einsparungspotenzial nur mehr gering ist, da diese Fahrzeuge bereits hervorragend optimiert sind", sagt Karl-Heinz Rauscher, Obmann des Fachverbandes der Fahrzeugindustrie in der Wirtschaftskammer (WKÖ). "Die Flottenziele können daher nur durch Fahrzeuge mit alternativem Antrieb erreicht werden."

Auch Gritta Grabner, Geschäftsführerin des WKÖ-Fachverbandes Spedition und Logistik, betrachtet die EU-Pläne mit Skepsis, und warnt vor den Auswirkungen auf die heimische Transportwirtschaft. "Zwar betreffen die Reduktionsziele primär die Hersteller und die Transportwirtschaft ist dabei ,nur‘ mittelbar involviert", so Grabner. "Doch bei Maßnahmen, die Unternehmen mit fossilem Fuhrpark massiv schlechter stellen, hat dies zur Folge, dass bereits vor Beendigung des Lebenszyklus eines Fahrzeuges neue mit alternativen Antrieben angeschafft werden müssen." Die Entwicklungskosten für emissionsfreie Schwertransporter würden unweigerlich zu höheren Fahrzeugpreisen führen.