Wien. Die Österreicher essen öfters außer Haus, der Supermarkt wird seltener besucht. Im Einkaufswagen landen öfters Käse, Bio-Lebensmittel und Convenience-Produkte, Fleisch wird seltener gekauft. Das Lebensmittel-Einkaufsverhalten der österreichischen Haushalte hat sich in den vergangenen 25 Jahren deutlich verändert. Dies geht aus dem repräsentativen Haushaltspanel der AMA Marketing hervor.

Die Agrarmarktanalyse RollAMA gibt es seit 1994, aktuell zeichnen 2.800 Haushalte ihre Einkäufe auf. Die RollAMA-Daten umfassen die Warengruppen Fleisch und Geflügel, Wurst, Milch und Milchprodukte, Käse, Obst, Gemüse, Erdäpfel, Eier, Tiefkühlprodukte, Fertiggerichte, aber nicht Brot und Gebäck. Das Haushaltspanel wird in Zusammenarbeit mit der GfK und Keyquest Marktforschung durchgeführt.

Es wird weniger gekocht

Vor zehn Jahren gingen die Teilnehmer des Haushaltspanels noch im Schnitt 145-mal einkaufen, im Jahr 2018 waren es nur mehr 129-mal. "Es wird weniger zu Hause gekocht und gegessen als vor 15 Jahren, dafür nimmt der Außer-Haus-Verzehr zu", sagte Micaela Schantl, Leiterin der AMA-Marktforschung, bei einer Pressekonferenz in Wien.

2008 kaufte ein durchschnittlicher Haushalt im Lebensmittelhandel noch 40 Kilogramm Fleisch und Geflügel, im vergangenen Jahr waren es nur mehr 34 Kilogramm. Der Anstieg des Außer-Haus-Essens - etwa in Kantinen, Gastronomie und Bäckereien - und der bewusstere Fleischkonsum hätte zu dem Rückgang der Supermarkt-Fleischkäufe geführt. Zugelegt hat hingegen der Käseabsatz im Lebensmitteleinzelhandel von 70.000 Tonnen im Jahr 2008 auf knapp 78.000 Tonnen im Jahr 2018.

Vorgeschnittener Käse und Wurst sowie Convencience-Produkte und Fertiggerichte werden bei Supermarkt-Einkäufern immer beliebter. "Am Selbstbedienungs-Regal geht es schnell, die Produkte sind fertig verpackt und meist länger haltbar. Vorgeschnittenes Obst und Gemüse verkürzen die Zubereitungszeit in der eigenen Küche", erklärte Schantl den Trend zu Convenience.

Supermarkt-Konzentration nimmt zu

Die Supermarkt-Konzentration in Österreich nahm deutlich zu: Hatten im Jahr 2003 Spar, Rewe (u.a. Billa, Merkur) und Hofer noch einen Marktanteil bei den Einkäufen des RollAMA-Haushaltspanels von knapp 80 Prozent, stieg der Anteil bis 2018 auf 87,7 Prozent. Der Anteil der Handelsmarken legte in den vergangen zehn Jahren von 44 Prozent auf 53 Prozent zu. Der wertmäßige Bioanteil bei den Einkäufen schnellte von 2,7 Prozent im Jahr 1997 auf 8,9 Prozent im Jahr 2018 hinauf. Der Anteil der Aktionsware an den Gesamteinkäufen lag relativ konstant bei 25 Prozent, geht aus den RollAMA-Daten hervor.

Die Essgewohnheiten der Österreicher haben sich in den vergangenen Jahren aber nur leicht verändert: 2012 bezeichneten sich in einer Umfrage 81 Prozent als Fleischesser, 16 Prozent als Flexitarier, 3 Prozent als Vegetarier und 0 Prozent als Veganer. Im Jahr 2018 waren es dann 78 Prozent Fleischesser, 16 Prozent Flexitarier, 4 Prozent Vegetarier und 2 Prozent Veganer.

Kein "Geiz ist geil"

Für Keyquest-Geschäftsführer Johannes Mayr bleibt Convenience der wichtigste Konsumtrend im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel. "Die Geiz-ist-geil-Mentalität ist aber nicht mehr so ein großes Thema", sagte Mayr bei dem AMA-Pressegespräch. Die Trends Bio, Regionalität & Herkunft, Reduktion des Fleischkonsums und Genuss & Premium würden "weiter gehen". Für den Online-Lebensmittelhandel sieht Mayr Wachstumschancenvor allem bei Spezialitäten und Basisprodukten. Bei frischen Produkten würden die Konsumenten lieber in den Supermarkt gehen. (apa)