Wien. (dg) Österreich ist, was seinen Digitalisierungsgrad anbelangt, bestenfalls im EU-Mittelfeld. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) im Auftrag der Arbeiterkammer (AK). Im europäischen Digitalisierungsindex, der auch das relativ hohe Bruttoinlandsprodukt berücksichtigt, belegt Österreich den elften Rang. Betrachtet man den Wachstumsbeitrag des IT-Sektors zum BIP, belegt das Land gar nur den 15. Platz.

Eine im Vorfeld vermutete Investitionslücke in die Digitalisierung sei anhand der Studienergebnisse aber nicht erkennbar, erklärt Studienautor Michael Peneder. "Auffälligste Ursache für den Rückstand ist die im internationalen Vergleich geringe Nachfrage der privaten Haushalte", erklärt Peneder.

Die Österreicher würden im Vergleich seltener digitale Anwendungen mit Freizeitangeboten oder solche, die von der öffentlichen Verwaltung zur Vereinfachung administrativer Abläufe angeboten werden, nutzen. Das schlechte Abschneiden liegt auch daran, dass andere EU-Länder in den vergangenen Jahren hier viel aufgeholt haben.

Bei Fachkräften vorne

Laut Studie gibt es auch Unterschiede, was die produzierende und die nutzende Informationstechnologie-Branche anbelangt. "In Österreich entfiel im Jahr 2016 auf IKT-produzierende Wirtschaftszweige nur ein vergleichsweise geringer Wertschöpfungsanteil von 5,8 Prozent - aber mit steigender Tendenz", heißt es dazu in der Studienzusammenfassung. Das ist EU-weit der vorletzte Platz. Beim Beschäftigungsanteil belegt das Land den 22. Platz.

Ganz anders, so der Studienautor, ist es bei der Nutzung. Mit 13,3 Prozent der Wertschöpfung belegt Österreich Platz. Was die Ausbildung von IT-Fachkräften und Absolventen von sogenannten MINT-Fächern, also technische und naturwissenschaftliche Studien, anbelangt, schneidet das Land wiederum besser als die meisten anderen EU-Mitgliedsstaaten ab. Der Studienautor geht davon aus, dass sich der internationale Wettbewerb um qualifiziertes Personal in diesem Bereich künftig verschärfen wird.

"Österreich kann es sich nicht leisten, bei der Digitalisierung nur Mittelmaß zu sein", sagte die Vizedirektorin der AK-Wien, Maria Kubitschek, anlässlich der Studienergebnisse. Sie übte Kritik an der ÖVP/FPÖ-Regierung, dass diese in puncto Digitalisierung ihren Fokus auf die Unternehmen lege, die Arbeitnehmer aber hier vernachlässige.

Die AK stellte im Rahmen der Studienpräsentation ihre Digitalisierungsoffensive vor, die für die kommenden fünf Jahre mit 150 Millionen Euro dotiert ist. Ein Teil davon ist der Digitalisierungsfonds "Arbeit 4.0", angelehnt an das Schlagwort der Industrie 4.0. Mit dem Fonds werden Projekte gefördert, in denen Arbeitnehmer im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, so Kubitschek. Das Geld soll zum Beispiel für Weiterbildungen und Schulungen für Mitarbeiter aufgewendet werden. Gefördert werden auch betriebliche Initiativen zu Gestaltung eines digitalen, innovativen Arbeitsplatzes.

Im weltweiten Innovationsindex lag Österreich zuletzt auf dem 21. von 126 Ländern. Der Index der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) misst unter anderem die Anzahl der Patentanmeldungen, App-Entwicklungen, Bildungsausgaben und wissenschaftliche Publikationen. Dabei schneiden die Niederlande und Schweden am besten ab.