Was die Arbeitslosigkeit angeht, zeigt sich das Wifo hier ebenfalls optimistischer als das IHS. Die Entspannung am Arbeitsmarkt dürfte heuer leicht weitergehen. Allerdings rechnet das IHS gegen Ende des Jahres wieder mit einem ganz leichten Anstieg. Der Jobzuwachs werde auf jeden Fall schwächer ausfallen als noch 2018, sind sich beide Institute einig.

Steuerreform leistbar

Trotz des moderaten Wachstums sehen sowohl Kocher als auch Badelt die geplante Steuerreform der Regierung nicht in Gefahr. Trotz sinkender Steuereineinnahmen, "gehe ich davon aus, dass die Reform auch aus dem Budgetüberschuss finanzierbar ist", erklärte Badelt. Für 2019 und 2020 geht das Wifo von einem gesamtstaatlichen Maastricht-Überschuss von 0,4 und 0,7 Prozent des BIP aus. Dass es beim IHS wie 2019 auch kommendes Jahr nur 0,2 Prozent sein sollen, liegt daran, dass hier bereits die angekündigte Beitragssenkung der Krankenversicherung in Höhe von 700 Millionen Euro eingerechnet ist.

Das berge aber die Gefahr, so Badelt, dass dann "notwendige Strukturreformen" nicht mehr durchgeführt und Entlastungen rein aus Überschüssen finanziert würden. Kocher plädierte für mehr Investitionen in den Bereichen Bildung, Digitalisierung und Forschung. Dort stecke sehr viel Wachstumspotenzial. Auf jeden Fall werden die Pflegekosten massiv steigen und es führe kein Weg an zusätzlichem öffentlichen Geld vorbei, sagten Kocher und Badelt.

Beide plädierten zudem neben einer spürbaren Entlastung des Faktors Arbeit auch für eine ökologische Komponente bei der geplanten Steuerreform aus. "Ökosteuern brauchen aber soziale Ausgleichsmaßnahmen", sagte Badelt, und dürften nicht zulasten ärmerer Schichten erfolgen. "Im Moment wird aber erkannt, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können", sagte Badelt angesprochen auf den Budgetspielraum des Finanzministers und der schwächeren Konjunktur.

Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) mahnte jedenfalls ob des schwächeren Wachstums für heuer am Freitag alle Ressorts zur Budgetdisziplin. "Wir halten sowohl in diesem als auch in den Folgejahren an unseren Budgetzielen fest. Die nach unten revidierten Wachstumsaussichten erfordern jedoch eine strengere Hand im Budgetvollzug", so Löger.