Wien. Für die OMV war 2018 das beste Jahr seit langem, was die Öl- und Gasförderung im Krisenland Libyen betrifft. Im Schnitt betrug das tägliche Fördervolumen rund 30.300 Barrel Öläquivalent. Damit fiel die Produktion des teilstaatlichen österreichischen Energiekonzerns in dem nordafrikanischen Land um mehr als ein Fünftel höher aus als im Jahr davor. Die Fördermenge für 2019 ist indes unklar, nachdem die Kämpfe rivalisierender Milizen um die Hauptstadt Tripolis die politische Situation zuletzt wieder zugespitzt haben. Auch wenn es in der OMV-Zentrale heißt: "Die Produktion ist bisher nicht betroffen."

In Libyen ist das größte österreichische Industrieunternehmen bereits seit 1975 tätig. Dass dort nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 ein Bürgerkrieg ausbrach, war für die OMV bitter. Denn gerade in Libyen sind die Produktionskosten besonders niedrig, wodurch für Ölmultis hohe Gewinnmargen zu erzielen sind.

In den ersten Jahren nach der Revolution kam es jedenfalls aufgrund der politischen Wirren und zivilen Unruhen immer wieder zu längeren Produktionsstillständen. Die Fördervolumina der OMV in Libyen tendierten damit de facto gegen null. Noch 2015 und 2016, als sich die Lage etwas entspannt hatte, waren es pro Tag lediglich knapp 300 beziehungsweise rund 800 Barrel Öläquivalent (Maßeinheit für jene Energiemenge, die beim Verbrennen von einem Kilogramm Erdöl freigesetzt wird).

Immer wieder temporäre
Produktionsstillstände

- © OMV
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Im Jahr vor der Revolution - 2010 - kam die OMV in Libyen auf ein Fördervolumen von täglich rund 33.000 Barrel Öläquivalent. Dies entsprach zirka zehn Prozent ihrer damaligen Gesamtproduktion. Mittlerweile liegt der Anteil Libyens deutlich niedriger. Im vergangenen Jahr belief er sich auf sieben Prozent der Gesamtproduktion von rund 427.000 Barrel Öläquivalent pro Tag - unter anderem auch deshalb, weil OMV-Chef Rainer Seele das Länderportfolio inzwischen diversifiziert hat.

Temporäre Stillstände der Anlagen beeinträchtigen die Förderaktivitäten in Libyen wegen der instabilen politischen Situation und der Sicherheitslage im Land unterdessen nach wie vor. So gab es erst unlängst Produktionsausfälle. Wie die OMV dazu mitteilte, seien die Ölförderanlagen auf dem Sharara-Feld im Murzuq-Becken von Mitte Dezember bis März stillgestanden. Während die Anlagen gegen Ende des ersten Quartals zum Teil wieder hochgefahren werden konnten, erfolgten in Libyen jedoch im gesamten Quartal keine sogenannten Liftings. Das heißt, dass das produzierte Öl nicht außer Landes und somit auf den Markt gebracht werden konnte.

Libyen hat die größten
Erdölreserven in Afrika

Im Idealfall könnte die OMV in Libyen pro Tag rund 35.000 Barrel Öläquivalent fördern. Vor mehr als zwei Jahren hat der börsennotierte Großkonzern dort seine Beteiligungen an vier Ölfeldern sogar aufgestockt. Mit Blick auf die politischen Risiken zeigte sich Vorstandschef Seele damals gelassen, indem er betonte: "Unser Öl wird nicht verschwinden, weil es einen Konflikt an der Oberfläche gibt." Bei stabiler Lage im Land könnte die Förderung jedenfalls deutlich ausgebaut werden, heißt es bei der OMV. Dabei müsste auch nicht viel Geld investiert werden. Laut OMV wäre die für sie maximale Produktionskapazität in Libyen in drei bis fünf Jahren erreichbar.

Libyen hat die größten Erdölreserven Afrikas, das mit 6,8 Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelte Land verfügt laut früheren Angaben über ein Gesamtvolumen von rund 47 Milliarden Fass (je 159 Liter). Die Ausbeutung der Ölfelder erfolgt über die staatliche Ölgesellschaft National Oil Corporation (NOC) und deren ausländische Partner (darunter die OMV). An den jeweiligen Feldern hält die NOC eine deutliche Mehrheit. Libyen lebt vom Öl und ist Mitglied der Opec, der Organisation erdölexportierender Länder.