Wien. Ohne die immense Libyen-Belastung hätte der Öl- und Gaskonzern OMV heuer im ersten Quartal - anstelle des Rückgangs - das operative Ergebnis von Anfang 2018 toppen können, sagte Generaldirektor Rainer Seele am Freitag im APA-Gespräch. Aktuell ist er zu Libyen positiv: Es werde auf Normalniveau produziert, diese Mengen müssten nun anders als zum Jahresauftakt auch laufend verkauft werden können.

Den negativen Effekt durch die Libyen-Ausfälle bezifferte Seele auf Ebene des um Lagerbestände bereinigten CCS Operativen Ergebnisses vor Sondereffekten mit 144 Millionen Euro. Ohne diese Probleme wäre diese Kennzahl nicht um 7 Prozent auf 759 Millionen Euro gesunken, sondern hätte knapp über 900 Millionen Euro betragen und damit den vorjährigen Vergleichswert von 818 Millionen Euro spürbar übertroffen.

Die Produktion in Libyen laufe trotz der Unruhen im Land wieder stabil - und zwar auf dem normalen Niveau von rund 35.000 Barrel Öl-Äquivalent pro Tag, sagte Seele. Zum Jahresauftakt war man in der Produktion auf bis zu 15.000 Barrel pro Tag zurückgefallen, konnte aber auch diese Mengen zum Teil nicht verkaufen. Die Infrastruktur funktioniere, man könne das Öl zu den Häfen transportieren, und auch die Verladung sei nicht beeinträchtigt.

Zweiter negativer Faktor für die OMV im Auftaktquartal waren höhere Abschreibungen im Ausmaß von  minus 87 Millionen Euro. Diese resultierten im Wesentlichen aus den Zukäufen in Neuseeland und Abu Dhabi (Gaslagerstätte) im Vorjahr sowie dem OMV-Anteil am neu gegründeten Unternehmen SapuraOMV Upstream Sdn. Bhd. in Malaysia. Dadurch legte im Zusammenhang mit neuen IFRS-Accounting-Standards (für Leasing) auch der OMV-Verschuldungsgrad auf 20 Prozent zu, nach 16 Prozent Anfang 2018 beziehungsweise 13 Prozent im Ende 2018.

Die OMV-Raffineriemarge ist im ersten Quartal auf knapp über vier Dollar pro Barrel zurückgefallen - und damit auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2016, wie Generaldirektor Seele betonte. Wegen der schwächeren Nachfrage habe man vielfach auf Lager produziert. Speziell bei Kraftstoffen und Nafta habe man Vorräte aufgebaut. Dadurch sei der an sich gute Cash-Zufluss belastet gewesen, der ohne Lagereffekte noch stärker ausgefallen wäre. Der Cashflow hätte 1,2 Milliarden Euro betragen können und wäre damit sehr stark gewesen, sagte Seele. Tatsächlich ging der Cashflow aus der Betriebstätigkeit im Jahresabstand um ein Fünftel auf 866 Millionen Euro zurück. Nun habe die Nachfrage aber wieder angezogen.