Wien. Stehen bei jungen Erwachsenen erste große Anschaffungen an, fehlt vielen der Plan. Das ergab eine Umfrage des österreichischen Bankenverbandes und der Bawag. 1029 Personen zwischen 18 und 29 Jahren wurden befragt. Zwar wohnen sechs von zehn Befragten nicht mehr bei den Eltern, und zwei Drittel verdienen bis zu 2000 Euro netto im Monat. Wird das Geld knapp, wird weiter bei den Eltern angeklopft.

77 Prozent der Befragten gaben an, sich an die Eltern oder die Familie zu wenden, wenn zusätzliches Geld nötig wird. Nur gut jeder Fünfte geht demnach tatsächlich zur Bank. 18 Prozent fragen bei Freunden und Bekannten nach.

Dass junge Erwachsene sich heute nicht mehr so stark extern verschulden müssen, weil sie mehr mit Hilfe der Elterngeneration rechnen können, will der Bankenverband nicht isoliert interpretiert sehen. Es sei nämlich so, dass junge Erwachsene überhaupt nicht auf Pump konsumieren wollten - sich dafür also weder dafür bei den Eltern noch woanders verschulden wollten.

Auch wenn es der engste Familienkreis ist, der als erste Anlaufstelle gilt, wenn es finanziell eng wird: Zuhause wird üblicherweise immer noch eher wenig übers Geld gesprochen - die Jungen täten dies heute ganz gern ganz offen, im Gegensatz zu ihren Eltern. Wie junge Menschen nach Abschluss der Schule oder Lehre in ihrem Lebensalltag mit ihrem persönlichen Budget umgehen, hängt naturgemäß auch stark von der finanziellen Ausgangssituation im Elternhaus ab: "Finanziell sorgenfreie und zufriedene Eltern vermitteln ihren Kindern tendenziell mehr Wissen rund um wirtschaftliche Themen im Alltag", sagte Enver Sirucic, Vorstand des Bankenverbands und Finanzvorstand der Bawag Group.

Demgegenüber haben Eltern mit finanziell kritischer Situation in der Regel nicht viel Geld gesprochen, konnten demnach auch weniger mit Ratschlägen zur Seite stehen. Ganz generell warnt der Bankenverband, dass das Schweigen übers Finanzielle zuhause zum "Vererben" von Geldproblemen führen kann.

Der Umfrage zufolgen fühlen sich 83 Prozent der jungen Erwachsenen in Geldfragen nicht sattelfest. Sie trauen sich nicht zu, alleine fundierte Entscheidungen zu treffen. Dass es am Finanzwissen in Österreich hapert, wird mit der unzureichenden Vorbildung zuhause und in der Schule begründet. Fast die Hälfte der von Marketmind im Jänner und Februar online Befragten gab an, von den Eltern nicht genügend im Umgang mit Geld vorbereitet zu sein - obwohl die Eltern zugleich für die meisten als wichtigste Ansprechpartner gelten. Und zwei Drittel beklagen, in der Schule zu wenig wirtschaftliches Wissen erhalten zu haben - also zu oberflächlich, theorieelastig, unverständlich. Oft mangelte es auch an Zeit und Interesse.

Bankenverband und Bawag sehen in erster Linie Elternhaus und Schule gefordert. An die Eltern kam heute der Appell: "Sprecht bitte mit euren Kindern über Geld, zeigt ihnen, wie ihr damit umgeht." Schon kleine Kinder seien daran interessiert, das Interesse müsse bedient werden. An die Schulen erging abermals der Appell, Wirtschafts- und Finanzbildung zu einem elementaren Teil des Lehrplans zu machen. (apa)