Wien. (kle/apa) Der Preisverfall bei Zucker sowie ein schwächeres Geschäft im Segment Stärke haben dem Wiener Nahrungsmittelkonzern Agrana im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende Februar) das Ergebnis buchstäblich verhagelt. Beim Netto-Gewinn war das börsennotierte Unternehmen mit einem drastischen Rückgang von 142,6 auf 30,4 Millionen Euro konfrontiert, wie es am Montag mitteilte. Vor diesem Hintergrund soll die Dividende nun von 1,125 auf 1,000 Euro je Aktie gekürzt werden.

Für das laufende Geschäftsjahr setzt das Agrana-Management unterdessen auf das Prinzip Hoffnung. Konzernchef Johann Marihart: "Wir hoffen, den Tiefstand durchschritten zu haben, was die Zuckerpreise betrifft." Der operative Gewinn, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, das 2018/19 um gut 65 Prozent auf 66,6 Millionen Euro schrumpfte, soll 2019/20 jedenfalls steigen - und das deutlich. Daneben stellte Marihart bei der Bilanzpräsentation ein moderates Plus beim Jahresumsatz in Aussicht, nachdem dieser im vergangenen Wirtschaftsjahr vor allem wegen der Zuckersparte um fast fünf Prozent auf 2,443 Milliarden Euro gesunken ist.

Sorgenkind Zuckersegment

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

"Im Segment Zucker müssen wir uns etwas einfallen lassen", sagte Finanzvorstand Stephan Büttner. Dazu verwies er auf Kosten von mehr als zehn Millionen Euro, die dem Konzern wegen Unterauslastung in seinen zwei österreichischen Zuckerfabriken - in Tulln und Leopoldsdorf im Marchfelde - entstünden. "Die Zuckermisere schlägt voll durch", so der Agrana-Manager.

Viel muss der zu Raiffeisen gehörende Konzern indes tun, um die heimischen Rübenbauern im Kampf gegen den Rübenrüsselkäfer zu unterstützen und bei der Stange zu halten. "Der Rübenrüsselkäfer beschäftigt uns auch heuer", sagte Agrana-Vorstand Fritz Gattermayer. "Voriges Jahr war vor allem das Marchfeld betroffen, dort gibt es heuer weniger Flächen. Heuer ist der Käfer weiter im Westen - im Raum Tulln, Wagram und Stockerau in Niederösterreich - aufgetaucht. Wir hoffen, er geht nicht weiter."

Die Agrana zahlt den Rübenbauern für den Anbau 170 Euro pro Hektar. Außerdem stellt sie 80.000 Pheromonfallen zur Verfügung. Das Forschungsteam arbeitet auf Hochtouren. Auch Insektizide werden im erlaubten Rahmen eingesetzt.

Das alles sorgt freilich mitsamt der Unterversorgung der Fabriken für Kosten. Aber auch heuer würden bestimmt wieder beide Fabriken anlaufen, versicherte Marihart. "Für zwei Fabriken ist idealerweise eine Fläche von 40.000 bis 42.000 Hektar nötig." Zuletzt waren es bloß 28.000 Hektar. Nach dem heurigen Herbst werde der Betrieb der beiden Fabriken davon abhängen, ob bei den Rübenbauern ausreichende Anbaufreudigkeit gegeben ist. Marihart: "Wir tun alles, dass wir diese nicht nur halten, sondern steigern können."