Wien. (kle) In der Regel weist ein gesund entwickeltes Land einen Überschuss in seiner Leistungsbilanz aus. Bei Österreich war dies auch 2018 der Fall, es war bereits der sechszehnte positive Saldo in Folge. Vor allem dank der brummenden Konjunktur fiel der Überschuss mit 9,0 Milliarden Euro - 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - deutlich höher aus als im Jahr davor mit 7,2 Milliarden Euro, wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Dienstag mitteilte. In der Leistungsbilanz werden alle Ausgaben und Einnahmen einer Volkswirtschaft erfasst, der Saldo daraus gilt als wichtiger ökonomische Gradmesser für die Bewertung der Leistungsfähigkeit eines Landes.

Neben dem Reiseverkehr, der für Österreich seit jeher eine große Rolle spielt, waren es im vergangenen Jahr vor allem die relativ stark - um neun Prozent - gestiegenen Güterexporte, die für das deutliche Plus in der heimischen Leistungsbilanz sorgten. Im Vergleich zu den Exporten fiel der Zuwachs bei den Importen mit 6,4 Prozent geringer aus. Ein- und ausfuhrseitig prägten Maschinen und Fahrzeuge die Struktur des Güterhandels. Unterm Strich ergab die Güterbilanz einen Überschuss in Höhe von 4,5 Milliarden Euro (2017: 0,9 Milliarden).

Positive Effekte
durch EU-Beitritt und Euro

"Die heimische Außenwirtschaft durchläuft derzeit ihre historisch erfolgreichste Phase, an deren Beginn der EU-Beitritt stand", sagte OeNB-Vizechef Andreas Ittner vor Journalisten. Österreich habe in weiterer Folge besonders von den Vorteilen des Euro profitiert, der den Heimmarkt deutlich erweitert und als Weltwährung Stabilität in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gewährt habe.

Was Ittner ebenfalls betonte: In den vergangenen 20 Jahren seit Einführung der europäischen Einheitswährung Euro habe sich Österreich zu einem "Nettoexporteur mit durchwegs ausgeprägten Leistungsbilanzüberschüssen" entwickelt. Die Teilnahme an der Währungsunion habe die Entwicklung der österreichischen Außenwirtschaft neben dem EU-Beitritt und der Erweiterung der Europäischen Union nach Osteuropa "entscheidend begünstigt", erklärte der Notenbanker weiter. "Der Euroraum ist heute Dreh- und Angelpunkt der heimischen Exportwirtschaft und mit Abstand die wichtigste Zielregion für Österreichs Auslandsveranlagungen."

Mit 118 Milliarden Euro entfiel 2018 mehr als die Hälfte der Erlöse aus österreichischen Gütern und Dienstleistungen auf die Eurozone, der Löwenanteil davon auf Deutschland (70 Milliarden Euro). Die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen aus dem Euroraum nach Österreich bewegten sich mit einem Wert von 117 Milliarden Euro in ähnlicher Größenordnung wie die Exporte.

Auch Reiseverkehrsbilanz
deutlich besser

Punkten konnte Österreich 2018 aber auch beim Reiseverkehr. Da wurden laut OeNB mit 19,5 Milliarden Euro die bisher höchsten Einnahmen erzielt. Gleichzeitig erreichte auch der positive Saldo in der Tourismusbilanz mit 9,3 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Wichtigster Herkunftmarkt war der Euroraum (insbesondere Deutschland). Österreicher wiederum gaben 2018 gut zehn Milliarden Euro für Auslandsreisen aus, wobei mehr Geld vor allem in die klassischen Urlaubsdestinationen Italien und Kroatien floss.

Auch die Kapitalbilanz ist von den Verflechtungen mit der Eurozone stark geprägt. So wurden im Vorjahr 550 Milliarden Euro oder zwei Drittel des gesamten Auslandsvermögens der Österreicher in Euro - frei von Wechselkursrisiken - gehalten, in US-Dollar hingegen nur rund 100 Milliarden. Insgesamt belief sich der Kapitalbilanzsaldo 2018 auf 7,5 Milliarden Euro, damit ist er gegenüber 2017 (9,0 Milliarden) zwar gesunken, aber wie in der Leistungsbilanz steht auch in der Kapitalbilanz schon seit 2002 stets ein Überschuss zu Buche.