Die Low-Cost-Flieger wie Ryanair, Wizz Air oder Vueling führen unterdessen ihre gnadenlosen Ticketschlachten weiter. Mit den sinkenden Preisen sei auch die Bereitschaft der Fluglinien, Entschädigungen zu zahlen, gesunken, so Sernetz. "Sie suchen immer mehr Ausreden und verweisen auf außergewöhnliche Umstände. Zum Beispiel auf Streiks, mit denen sie aber nichts zu tun haben."

Zahlungsresistente Billigflieger

FairPlane und andere Portale machen ihr Geschäft damit, Passagieren bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche zu helfen. Die Kunden zahlen im Erfolgsfall eine Provision, bei Fairplane sind das etwa 30 Prozent. Das klingt nach viel, ist aber besser, als gar nichts zu bekommen. Bei Billigfluglinien als Privatperson eine Entschädigung herauszuholen, ohne zu klagen, sei unmöglich, sagt Sernetz. FairPlane habe 2018 rund 17,4 Millionen Euro für Flugpassagiere zurückgeholt. "Das sind aber eigentlich die Forderungen aus 2017, denn es dauert sechs bis 12 Monate, bis es das Geld gibt. Für das Jahr 2018 erwarten wir 25 bis 30 Millionen", so Sernetz.

Einen deutlichen größeren Zustrom von Konsumenten verzeichnete im Vorjahr auch die im Verkehrsministerium angesiedelte Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (APF). Sie hilft kostenlos Konsumenten, die sich wegen einer Verspätung oder einer Flugannullierung bereits erfolglos schriftlich an eine Fluglinie gewendet haben, bei der Einbringung einer Beschwerde.

Als ob man mit dem verspäteten Flug nicht schon Zores genug gehabt hätte, kommt danach der Ärger darüber, dass die Fluggesellschaften ihre Kunden ewig schmoren lassen, bevor sie zahlen. FairPlane fordert von den politischen Entscheidungsträgern eine gesetzliche Pflicht der Fluglinien, dem Fluggast binnen drei Wochen "substantiell zu antworten" und die Ursache für das Problem wahrheitsgetreu anzugeben.

Für einen Vulkanausbruch - siehe Eyjafjallajökull - kann eine Airline nichts. Sie ist auch nicht schuld daran, wenn der Pilot krank wird. Für letzteren Fall jedoch muss die Fluglinie vorsorgen, das heißt, ausreichend Ersatzpersonal zur Verfügung haben. Somit fallen annullierte und verspätete Flüge aufgrund von Krankheit der Besatzung nicht unter außergewöhnliche Umstände. Wenn ein Passagier an Bord erkrankt und sich der Flug dadurch verzögert hat, haben seine Mitreisenden leider Pech und können keine Entschädigung einfordern.