Wolkersdorf/Korneuburg. Die Rupert Fertinger GmbH mit Sitz in Wolkersdorf (Niederösterreich) ist insolvent. Über das Vermögen des Autozulieferers wurde am Landesgericht Korneuburg ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Betroffen sind etwa 260 Gläubiger und 169 Dienstnehmer. Die Passiva betragen laut Kreditschützern 20,7 Millionen Euro. Mehrheitseigentümer ist der Industrielle Veit Schmid-Schmidsfelden.

Die Aktiva liegen laut Creditreform bei 1,69 Millionen Euro, von den Passiva sind 5,86 Millionen Euro Eventualverbindlichkeiten. Die Insolvenz werde unter anderem auf die Inbetriebnahme des Produktionsstandortes in Polen zurückgeführt, teilten die Gläubigerschützer von AKV, Creditreform und KSV mit.

"Der Break-Even-Point des neuen Werkes wurde verspätet erreicht. Daraufhin wurden zwar umfangreiche Reorganisationsmaßnahmen eingeleitet und ein positives Betriebsergebnis im ersten Quartal 2019 erzielt, allerdings waren diese Maßnahmen mit einem erheblichen Liquiditätsaufwand verbunden, sodass die Kapitaldecke vollständig aufgezehrt wurde", teilte der KSV mit. Das Liquiditätsproblem sei mangels weiterer Mittelzuschüsse nicht nachhaltig gelöst worden, weshalb die Zahlungsunfähigkeit eingetreten sei, hieß es vonseiten der  Creditreform. 2017 schrieb die Firma laut "Wirtschaftscompass" einen Verlust (EGT) von 1,93 Millionen Euro.

Betrieb soll fortgeführt werden

Das Sanierungsverfahren wurde am Mittwoch aufgrund eines Eigenantrages eröffnet. Das Unternehmen mit Sitz im Bezirk Mistelbach soll fortgeführt werden. Die Firma habe bereits umfassende betriebliche Reorganisationsmaßnahmen eingeleitet und die Kosten deutlich gesenkt, teilte der AKV mit. Von den betroffenen Mitarbeitern sind 121 Arbeiter und 48 Angestellte. Im eingebrachten Sanierungsplan wird den Gläubigern eine Quote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, angeboten.

Firma gehört hochrangigem WKÖ-Funktionär

Die Rupert Fertinger GmbH gehört zu 97 Prozent der Metallwarenerzeugung Rupert Fertinger GmbH, die zur Gänze im Eigentum des Industriellen Veit Schmid-Schmidsfelden steht. Schmid-Schmidsfelden ist stellvertretender Industrie-Bundesspartenobmann in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und war bei den vergangenen Metallerlohnrunden Chefverhandler der Arbeitgeber.

Die Wiener Rechtsanwältin Katharina Widhalm-Budak wurde zur Masseverwalterin bestellt. Die Berichts- und Prüfungstagsatzung findet am 23. August statt, die Prüfungs- und Sanierungsplantagsatzung am 4. Oktober.

Das Unternehmen wurde 1944 von Rupert Fertinger in Wien gegründet. Schwerpunkt waren damals laut Webseite Warmwasseraufbereitungsgeräte (Durchlauferhitzer) und Installationsmaterialien. 1960 wurde ein neues Produktions- und Verwaltungsgebäude in Wolkersdorf geplant und gebaut. Der Kauf durch Schmid-Schmidsfelden erfolgte 2002. Vor sieben Jahren wurde die Produktion in der neuen Fabrik im ecoplus Wirtschaftspark in Wolkersdorf aufgenommen. Gefertigt werden Produkte aus Metall für Sanitärtechnik und automotive Anwendungen. (apa/kle)