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Wien. Österreichs Konsumenten fördern gern den fairen Handel, wie sich am Umsatz mit Fairtrade-Produkten zeigt, der im vergangenen Jahr um weitere neun Prozent auf 333 Millionen Euro zulegte. Mittlerweile sind in Österreich bereits rund 2100 Produkte erhältlich, die Fairtrade- zertifiziert sind - um 200 mehr als 2017. Vor zehn Jahren waren es erst 350.

Seit dem Start von Fairtrade in Österreich im Jahr 1993 wurden hierzulande unter anderem schon mehr als 36.000 Tonnen Rohkaffee, mehr als 15.000 Tonnen Kakaobohnen (seit 1996 erhältlich) und mehr als 200.000 Tonnen Bananen (seit 2002 erhältlich) verkauft. Die Direkteinnahmen der Produzentenorganisationen durch den Verkauf von Fairtrade-Produkten in Österreich stiegen 2018 von 43 Millionen auf 49 Millionen Dollar.

Doch es mischt sich ein kleiner Wermutstropfen in die erfolgreiche Bilanz. Der für seine kreativen Schokoladen bekannte steirische Chocolatier und langjährige Fairtrade-Lizenznehmer Josef Zotter kündigte im August 2018 an, sein eigenes Logo verwenden zu wollen. Der Grund für den Ausstieg aus der Partnerschaft mit Fairtrade: Er lehne als Qualitätsproduzent, der sich zum fairen Handel und zur Transparenz dem Kunden gegenüber bekenne, die Praxis des Mengenausgleichs ab.

Mengenausgleich hilft
Kleinbauern

"Diese Entscheidung ist zu respektieren", sagt der Chef von Fairtrade Österreich, Hartwig Kirner, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Den Vorwurf Zotters, Fairtrade würde die Konsumenten täuschen, weist er zurück. Der Mengenausgleich oder die Massenbilanzierung (engl.: mass balance) wurde von Fairtrade International (FLO) festgelegt und kann bei Kakao, Rohrzucker, Fruchtsäften und Tee angewendet werden. Faire und konventionell produzierte Rohstoffe können im Erzeugerland vermengt werden. Das hilft zum Beispiel im Fall von Kakao den Kleinbauern in der Elfenbeinküste, möglichst viel ihrer Ernte zu Fairtrade-Bedingungen zu verkaufen. Der Mengenausgleich soll sicherstellen, dass nicht mehr Produkte mit dem Fairtrade-Siegel verkauft werden, als Rohwaren im Ursprungsland eingekauft wurden. Auf den Produkten findet sich eine Zusatzerklärung. Für Zotter ist es dennoch untragbar, dass in einem Fairtrade-Produkt auch nicht fair gehandelte Rohstoffe stecken. Er setzt bei seinen Schokoladen auf das Prinzip der physischen Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe und kauft die Kakaobohnen direkt in den Anbauländern ein. Bei Fairtrade vergleicht man den Mengenausgleich mit dem Prinzip der Einspeisung von Ökostrom ins allgemeine Stromnetz.

Hartwig Kirner findet den Ausstieg Zotters "noch immer schade". Der mengenmäßige Verlust konnte jedoch durch Steigerungen bei anderen Lizenznehmern ausgeglichen werden. Rund 150 lizensierte Partnerunternehmen zählt Fairtrade in Österreich, darunter bekannte Namen wie Manner, Tchibo und Pfanner. Rund 1900 Bäckereien, Cafés, Restaurants und Kantinen setzen auf Fairtrade.

Kakao-Abnehmer tragen Preiserhöhung mit

Wie berichtet, erhöht die Organisation im Oktober den an die Bauern ausgezahlten Mindestpreis für konventionellen Kakao von 2000 auf 2400 Dollar pro Tonne. Aktuell liege der Weltmarkt-Preis bei 2300 Dollar pro Tonne, sagt Kirner. Bis jetzt hätten alle heimischen Kakao-Abnehmer bekundet, dass sie die Preiserhöhungen mittragen werden. Angehoben wird auch die Fairtrade-Prämie: Sie steigt ab Oktober von 200 auf 240 Dollar pro Tonne. Die Kleinbauernorganisationen erhalten dieses Geld, um etwa die Qualität des Kakaoanbaus zu erhöhen und um Gemeinschaftsprojekte zu ermöglichen. Für Bio-Kakao soll der Fairtrade-Preis ab Oktober 300 Dollar über dem Weltmarktpreis oder dem Fairtrade-Mindestpreis liegen, je nachdem, welcher zur Zeit des Verkaufs höher ist.