Wien/Fuschl. Er ist der mit Abstand reichste Österreicher und verdankt das einem süßen, koffeinhältigen Getränk, das angeblich Flügel verleiht. Am kommenden Montag wird der Unternehmer Dietrich Mateschitz 75. Mit Red Bull hat er vom Unternehmenssitz in Fuschl am See in Salzburg aus die Getränkewelt umgekrempelt.

2018 verkaufte das Unternehmen mit 12.239 Mitarbeitern in 171 Ländern 6,8 Milliarden Dosen Red Bull und erzielte einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro. Das starke Erlöswachstum hat sich in den vergangenen Jahren etwas abgeflacht, aber die hohen Gewinne sprudeln nach wie vor. Der Nettogewinn der Salzburger Red Bull GmbH stieg 2017 - aktuellere Zahlen gibt es nicht - um knapp 4 Prozent auf 545 Millionen Euro.

Laut dem European Brand Institute war der Energydrink-Hersteller im Jahr 2018 mit 15,4 Milliarden Euro die drittwertvollste Getränkemarke der Welt hinter Coca-Cola (61,2 Milliarden Euro) und Pepsi (43,8 Milliarden Euro). Im Jahresabschluss ist die Marke Red Bull nur mit einigen Millionen Euro bilanziert. Damit verfügt Red Bull mit dieser Art der Bilanzierung über eine "stille Reserve" in Milliardenhöhe.

Weniger bekannt ist, dass der gebürtige Steirer Mateschitz eigentlich nur 49 Prozent an der Red Bull GmbH hält. Die Mehrheit befindet sich im Besitz der thailändischen Familie Yoovidhya. Auf einer seiner Geschäftsreisen als Blendax-Marketingmanager lernte Mateschitz den thailändischen Wachbleib-Drink "Krating Daeng" (Roter Stier) kennen. Mit dem Produzenten T.C. Pharmaceutical von Chaleo Yoovidhya gründete Mateschitz dann im Jahr 1984 die Red Bull GmbH.

Red Bull kam am 1. April 1987 als Energydrink in den österreichischen Handel. Die Schlüsselbestandteile von Krating Daeng und Red Bull sind Koffein und Taurin. Krating Daeng hat im Gegensatz zu Red Bull aber keine Kohlensäure und eine etwas andere Rezeptur.

Mateschitz schuf mit Red Bull als Energydrink ein neues Getränkesegment. In Deutschland war Red Bull bis zum Jahr 1994 nicht zum Verkauf zugelassen. Weltweit stießen sich Gesundheitsbehörden an der synthetisch hergestellten Aminosäure Taurin, die auf natürliche Weise auch in der Stiergalle vorkommt.

Mateschitz lässt die Red-Bull-Dosen bis heute vom Fruchtsaftproduzenten Rauch in Vorarlberg und der Schweiz abfüllen. Er selbst kümmert sich intensiv um die Bewerbung seines Energydrinks und um das Marketing. Aufmerksamkeit erregt Red Bull etwa mit dem Sponsoring von Extremsportlern, Formel-1-Teams sowie Fußball- und Eishockeymannschaften. Auch in der Medienwelt ist Mateschitz präsent, etwa mit seinem TV-Sender Servus TV und der Rechercheplattform Addendum.

Mit seinem 75. Geburtstag am 20. Mai rückt die Nachfolgefrage bei Red Bull wieder in den Fokus. Im Jahr 2011 brachte Mateschitz erstmals seinen Sohn Mark (27) ins Spiel. Laut einem Bericht des deutschen "Manager Magazin" aus dem Jahr 2017 kann der thailändische Yoovidhya-Clan als Mehrheitseigentümer über den Mateschitz-Nachfolger als Geschäftsführer entscheiden - und nicht Mateschitz selber. Dies sehe der Gesellschaftervertrag der Red Bull GmbH vor.