Wien. Warnungen vor Onlinebetrügern sind so alt wie das Internet selbst. Vor allem Berichte über arglose Konsumenten, die von unseriösen Webshop-Betreibern um ihr Geld gebracht werden, sind mediale Dauerbrenner. Dass das Verbrechen auch im World Wide Web keine Einbahnstraße ist, zeigt nun eine Befragung unter Online- und Versandhändlern der DACH-Region.

Demnach klagt die Mehrheit der Onlinehändler in Österreich (54 Prozent), Deutschland (73 Prozent) und der Schweiz (46 Prozent) gegenüber der Wirtschaftsauskunftei Crif über einen Anstieg des E-Commerce-Betrugs im vergangenen Jahr. 87 Prozent der österreichischen Onlineshop-Betreiber waren bereits einmal mit einem Betrugsfall oder einem Betrugsversuch konfrontiert. Das sind um rund acht Prozent mehr als 2017.

"Es gibt mittlerweile kaum noch Onlinehändler, die nicht schon finanzielle Einbußen durch organisierten Betrug hinnehmen mussten", bestätigt Gerald Sebastian Eder, Head of Business Development E-Commerce bei Crif die alarmierenden Zahlen. "Die Methoden der Betrüger werden dabei immer professioneller und schwerer zu durchschauen. Da werden technologische Möglichkeiten ausgenutzt, um etwa tausende von Bestellungen fast zeitgleich zu verschicken oder auch Phishing-Mails, die vom ‚Original‘ kaum mehr unterscheidbar sind", so Eder gegenüber der "Wiener Zeitung".

Angabe falscher Namen
oder Adressen

Ausnahmslos alle befragten österreichischen Online- und Versandhändlern waren von der Angabe verfälschter Namens- oder Adressdaten betroffen. An zweiter Stelle folgt der Identitätsdiebstahl, mit dem bereits 85 Prozent der heimischen Unternehmen konfrontiert waren. Dabei schlüpfen Fake Customers in die "virtuelle" Haut realer Personen, deren gestohlene Daten sie sich unter anderem im Darknet besorgen. Neben solch komplexen Betrugsmaschen gibt es freilich auch den simplen Modus Operandi.

So stellt für viele Onlinehändler nach wie vor die Zahlungsunfähigkeit von Kunden - also das Bestellen von Waren, obwohl man weiß, dass man die Rechnung nicht bezahlen kann - ein gravierendes Problem dar. In Österreich hatten 77 Prozent der Befragten 2018 mit dieser Betrugsform zu kämpfen, in Deutschland waren es 85 Prozent und in der Schweiz sogar 89 Prozent. Was die Schadenssumme betrifft, so mussten laut Crif-Umfrage 46 Prozent der heimischen Online-Händler 2018 Gesamtverluste zwischen 10.000 und 50.000 Euro hinnehmen.