Auch die Bevölkerung der 770-Seelen-Gemeinde Hallstatt leidet unter dem Phänomen "Overtourism". Pro Jahr zählt die auf der Unesco-Weltkulturerbe-Liste stehende Reisedestination mit der idyllischen Lage am Hallstätter See rund eine Million Besucher. An manchen Tagen frequentieren fast 10.000 Menschen den Ort.

Da die Anzahl der Reisebusse in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist - von 2014 bis 2018 von rund 8000 auf rund 19.400 - wurde im März im Gemeinderat die Einführung limitierter Slots für Reisebusse beschlossen. Man will damit dem Beispiel der Stadt Salzburg folgen, wo seit Juni 2018 gegen eine Gebühr Zeitfenster von 20 Minuten vergeben werden, in denen die Buslenker bei den beiden innerstädtischen Terminals Fahrgäste ein- und aussteigen lassen können. Seit 1. Juni kostet der Slot 50 statt zuvor 24 Euro. Dafür wurden die Kontrollzeiten an den Terminals verlängert, und das Busparkverbot wird strenger überwacht. Die Gebühr auf den Busparkplätzen wurde zuletzt von 4 auf 10 Euro erhöht.

Das Buchungssystem habe geholfen, die Reisebusse zeitlich und räumlich besser auf die beiden Terminals aufzuteilen, heißt es seitens der Tourismus Salzburg GmbH. 2017, im Jahr vor der Einführung des Online-Buchungssystems, waren geschätzt rund 50.000 Reisebusse in der Stadt unterwegs, 2018 dürfte man auf 40.000 gekommen sein.

Hallstatts Bürgermeister Alexander Scheutz möchte mit der Einführung der Bus-Slots die Zahl der Reisebusse um ein Drittel reduzieren. Im kommenden Jahr soll damit gestartet werden.

Im Prinzip hat man nichts gegen Touristen, so der Grundtenor der Tourismusverantwortlichen. Schließlich bringen die Gäste der lokalen Wirtschaft Umsätze. Aussperren will man sie auf keinen Fall, aber was zu viel ist, ist zu viel. Die Entwicklung in Richtung Overtourism habe sich abgezeichnet, sagt Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Tourismus- und Freizeitforschung. Die Politik habe es verabsäumt, rechtzeitig gegenzusteuern. "Aber es ist noch nicht zu spät", betont er. Wichtig sei, dass Maßnahmen lokal und vor Ort in Abstimmung mit den Gastgebern umgesetzt werden.

"Man wird Eintritt verlangen müssen"

Zeigen "sanfte" Maßnahmen nach längerer Zeit keine Wirkung in die richtige Richtung, bleibt nur eines: "Man wird Eintritt verlangen müssen", so Zellmann. Zahlreiche schöne Plätze auf der Welt sind bereits jetzt nur gegen Gebühr zu besichtigen. So kassiert etwa Amsterdam seit Jänner von Kreuzfahrtgästen acht Euro pro Tag. In Venedig ist die Einführung einer Gebühr für Tagestouristen ab September fix.

Zellmann könnte einer Gutscheinvariante viel abgewinnen, bei der sich die Touristen die Eintrittsgebühr über Einkäufe zurückholen können. Das würde wiederum die lokale Wertschöpfung erhöhen.