Wien. (apa/red.) Für den heimischen Schuhhandel war 2018 kein gutes Jahr. Die stationären Schuhgeschäfte litten unter dem für sie ungünstigen Wetter, billigeren Produkten sowie der steigenden Onlinekonkurrenz. Die Folge war ein nomineller Umsatzrückgang um 2,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der Onlineanteil macht bereits 25 Prozent aus. Wolfgang Richter, Chef des Wiener Marktforschungsinstituts "RegioData", hält einen Anstieg auf 50 Prozent binnen fünf Jahren für denkbar.

"Die Menschen stecken ihr Geld nicht in den Onlineshop von Humanic, sondern in Amazon und Zalando. Damit trocknet der stationäre Handel ein bisschen aus", sagt Richter. Der Gesamtumsatz mit Schuhen quer über alle Vertriebswege beträgt in Österreich 1,6 Milliarden Euro. Dies bedeutet, dass rund 300 Millionen Euro zu reinen Onlinehändlern wie Amazon oder in andere Branchen fließen, zumal unter anderem auch der Bekleidungs- und der Sportartikelhandel Schuhe verkaufen.

Zahlen von "RegioData" zeigen, dass der Umsatz im stationären Schuheinzelhandel seit 2009 de facto kaum steigt. Da sich aber auch die Zahl der Standorte und die Gesamtverkaufsfläche kaum verändern, sinkt die durchschnittliche Flächenproduktivität.

2018 war das Wetter für modische Branchen wie den Schuhhandel besonders ungünstig. Aufgrund der Hitze verkauften die Schuhgeschäfte selbst im Herbst noch Sandalen statt Lederschuhe. Notwendige Abverkäufe und Rabatte schmälerten den Gesamtumsatz. "Dazu kommt, dass durch das Erstarken von Billiganbietern und die aktuellen Modetrends der Umsatz pro Einkauf geringer ist als früher", heißt es bei "RegioData".

Branchenprimus Deichmann

Der Schuheinzelhandel in Österreich ist segmentiert. An der Spitze thront der deutsche Diskonter Deichmann, der die steirische Leder&Schuh-Gruppe (Humanic, Shoe4You, Stiefelkönig) schon vor Jahren überholt hat. "Wer immer expandiert - in guten wie in schlechten Zeiten - ist Deichmann", so Richter.

Die gesamte Deichmann-Gruppe mit ihren Linien Deichmann, Snipes und MyShoes hat den Marktanteil 2018 erneut von 24,2 auf 25,4 Prozent ausgebaut. Leder & Schuh steigerte den Marktanteil leicht auf rund 18 Prozent. Nummer drei ist die Schuhhändler-Kooperation ANWR Garant mit 11 Prozent. Dahinter tummeln sich Handelsfirmen wie Ringschuh, Salamander, GMS-Verbund, CCC oder Reno.