Verdient man meist nicht weniger?

Bei uns bekommen die Fahrer mindestens acht Euro in der Stunde, vier Euro gibt es pro Bestellung. Der Durchschnittsverdienst liegt irgendwo bei zehn Euro. Es gibt kaum einen Stundentenjob oder einen Job in der Gastronomie, bei dem das möglich ist.

Aber es heißt, dass Ihre freien Fahrer nicht versichert sind.

Das stimmt nicht. Es sind alle unfallversichert. Wenn sie über die Geringfügigkeitsgrenze kommen, sind sie auch sozialversichert. Deshalb sind es auch keine Freiberufler. Die müssen sich auch nicht selbst bei der Gebietskrankenkasse anmelden. Das machen wir alles. Wir führen auch Abgaben ab, wenn es welche gibt. Wir können jemandem auch nicht sagen, dass er jetzt mal zwei Monate nicht fährt, wenn er einen 10-Stunden-Vertrag hat. Die einzige Flexibilität, die es gibt, ist, dass Fahrer am Stück beispielsweise 20 Stunden arbeiten und die Woche darauf frei machen.

In der Plattformökonomie wird alles in einen Topf geworfen. Die richtigen Probleme werden übersehen. Clickworker warten daheim bis sie einen Auftrag bekommen. Da gibt es einmal keinen, dann verdienen sie 3,60 Euro pro Stunde. Das ist für mich ein heikles Arbeitsverhältnis. Darauf muss geschaut werden. Das ist bei uns aber nicht so.

Wie viele Fahrer befinden sich unter der Geringfügigkeitsgrenze?

Das sind derzeit etwa 70 Prozent, wobei jeder Fahrer selbst entscheidet, ob er über oder unter der Geringfügigkeitsgrenze bleiben möchte.

Bei der Sozialversicherung ist die SVA für die meisten Selbständigen ein Problem.

Da müsste dann der Gesetzgeber ran und die Beiträge für Niedriglöhne senken. Das ist kein Problem unserer Branche, sondern generell ein Thema im Niedriglohnsektor. Dort sind wir nur ein ganz kleiner Player.

Gewerkschaft und Wirtschaftskammer verhandeln einen Kollektivvertrag für Fahrradzusteller. Sie lehnen einen Kollektivvertrag nicht ab, fordern aber, dass er aus "Business-Sicht" Sinn machen soll. Was meinen Sie damit?

Ich darf keine Details nennen. "Business-Sicht" heißt aber für mich, dass ich schon auf den Arbeitnehmer schaue. Auf viele Punkte sind wir auch eingegangen. Das führt zwar für mich zu Mehrkosten, die finde ich aber fair. Die Gewerkschaft verlangt aber nach den Zugeständnissen noch mehr. Ich kann ein bisschen mehr ausgeben, als ich einnehme, weil ich mir sicher bin, dass wir weiter wachsen werden. Die Lösung kann aber nicht ein Kollektivvertragsgehalt sein, das sich für uns nicht rechnet und wir schließen müssen. Davon hat auch der Arbeitnehmer nichts.

Ohne KV haben Ihre Mitarbeiter keinen Urlaubs-, Krankenstands- oder Mutterschutzanspruch.