Wien. Post-Generaldirektor Georg Pölzl hat eine positive Bilanz über seine per 1. Oktober zehn Jahre als oberster Postler gezogen. 2018 sei das neunte Rekordjahr in Folge gewesen, das erste Quartal heuer sei auch gut gelaufen. Größte Herausforderung blieben Rückgänge im Briefgeschäft, sagte der Manager am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten. Preiserhöhungen schloss er nicht aus.

"Laufend" seien Preisanpassungen nötig, so Pölzl. "Die Kosten steigen automatisch, ein Inflationsausgleich ist wohl das Mindeste, was man machen muss." Der Manager betonte, dass die börsennotierte, teilstaatliche Post zu den günstigsten Dienstleistern Europas gehöre. Konkrete Pläne zu Preissteigerungen verriet er nicht. Zuletzt hatte etwa die Deutsche Post angekündigt, ihre Preise für Briefe und Ansichtskarten per 1. Juli zu erhöhen.

Am Beginn der Amtszeit Pölzls standen Restrukturierungsthemen wie der Abbau von Beamten und Postämtern. "Aber da sind wir durch. Die Belegschafts- und Filialstruktur hat sich sehr verändert." Vor zehn Jahren gab es 1360 Postfilialen, darunter rund 200 Postpartner. Das Verhältnis hat sich bis heute fast gedreht: es gibt 1800 Filialen, von denen 1350 Postpartner sind.

Diese Ausbreitung in der Fläche will die Post mit ihrem neuen Bankpartner ab 2020 nutzen, sagte Pölzl. Dort werde es ab dem zweiten Halbjahr 2020 Basis-Bankprodukte geben. Gute Geschäfte erhofft man sich vor allem im ländlichen Raum, wo sich andere Banken physisch zurückziehen. In weiterer Folge werde man mit dem Partner, der Brüll Kallmus Bank, auch weitere Produkte auflegen.

"Shöpping"-Geschäft
entwickelt sich gut

Zur Übernahme der DHL-Standorte in Österreich sagte Pölzl, dass entgegen anderslautender Medienberichte alle 200 Mitarbeiter und Standorte - bis auf jene in Hagenbrunn - übernommen beziehungsweise weiterbetrieben werden.

Häme rund um die langsam anlaufende Shöpping-Plattform kritisierte Pölzl. Es sei normal, in den ersten Jahren keinen Gewinn zu machen. Das Geschäft entwickle sich gut, täglich gebe es Hunderte Bestellungen. Derzeit sind 600 Händler an Bord.

Die Neuwahlen spülen der Post einen Mehrumsatz von rund 5 Millionen Euro in die Kassa. Heiß diskutiert wurde zuletzt auch die Datenverwendung der Post rund um die Speicherung von Parteiaffinitäten, die an Parteien verkauft wurden. Für Pölzl ist das Thema beendet, man habe nichts Rechtswidriges getan, das legale Angebot, das lediglich aus Alter und Wohnort "ohne investigative Untersuchungen" erstellt worden sei, aber beendet. Das schmälere den Mehrumsatz aus der Nationalratswahl nicht, denn damit wurden "nur rund 250.000, 300.000 Euro" umgesetzt, sagte Pölzl.