Wien. Es fällt am Ende dem Verfassungsgerichtshof zu, darüber zu entscheiden, was von der Ära Beate Hartinger-Klein bleibt. Drei umstrittene Regelungen gingen von ihrem Ressort aus, die nun das Höchstgericht beschäftigen: der Umbau des Krankenkassensystems, die neue Sozialhilfe (statt der Mindestsicherung) und die Karfreitagsregelung. Für all das war die blaue Gesundheits- und Sozialministerin zuständig. Eines bleibt von ihr mit Bestimmtheit, dafür sorgen schon die Sozialen Netzwerke; jener Ausspruch nämlich, den Hartinger-Klein im Februar im Nationalrat in Richtung SPÖ getätigt hat: "Wer schafft die Arbeit? Sorry, wer schafft die Arbeit? Die Wirtschaft schafft die Arbeit! Bitte merkt Euch das einmal!"

Logisch, dass sich in Zeiten von YouTube, Twitter und Co. ein derart emotionaler Ausbruch rasend verbreitet. Doch dabei geht es um den unterhaltsamen Aspekt der Aussage. Aber wie sieht es mit der inhaltlichen Ebene aus? Stimmt sie überhaupt? Ein Blick auf die Abgestimmte Erwerbsstatistik lässt zumindest den Schluss zu, dass es nicht nur die Wirtschaft ist, die Jobs schafft. Sondern auch der Staat. Und zwar in größerem Ausmaß, als viele glauben. Offenbar inklusive der ehemaligen Ministerin.

Wenn man die Daten aus 2012 mit den letzt verfügbaren aus dem Jahr 2016 vergleicht, lassen sich drei Schlüsse ziehen: Das Jobwachstum ist vor allem weiblich, es ist vor allem städtisch, und der Staat als Arbeitgeber trägt einen signifikanten Anteil an der Steigerung der Beschäftigung. Wobei sich seine Bedeutung (direkt wie indirekt) noch einmal deutlicher bei Frauen und im ländlichen Bereich zeigt.

Der Arbeitsmarkt in Österreich - © Wiener Zeitung
Der Arbeitsmarkt in Österreich - © Wiener Zeitung

Doch alles von vorne: Im Jahr 2012 waren rund 3,9 Millionen Menschen in Österreich in Beschäftigung, vier Jahre später waren es 4,1 Millionen. Zur Erinnerung: Das waren noch eher konjunkturell schwächere Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit gestiegen ist. Dennoch wurden auch damals Jobs geschaffen, der Zuzug auf den Arbeitsmarkt war aber noch größer. Der Wirtschaftsaufschwung passierte erst nach 2016, doch diese Daten liegen noch nicht vor (siehe Kasten).

Vor allem in Städten
gab es Jobwachstum

Beschäftigte Fraun und Männer - © Wiener Zeitung
Beschäftigte Fraun und Männer - © Wiener Zeitung

Vom Beschäftigungswachstum profitierten Frauen etwas stärker als Männer, die Frauenerwerbsquote ist seit vielen Jahren im Steigen begriffen. Es ist also keine Überraschung, dass von den 173.797 zusätzlichen Beschäftigungsverhältnissen 93.047 auf Frauen und 80.750 auf Männer entfielen. Zumal hier auch Teilzeitstellen eingerechnet sind.

Regional gibt es jedoch eine ungleiche Verteilung. Kärnten und das Burgenland können nur mit einem schmalen Plus von unter drei Prozent in diesem Zeitraum aufwarten, Wien sowie die drei westlichen Bundesländer haben die Zahl der Beschäftigten um 5 Prozent (Wien) bis mehr als 7 Prozent (Vorarlberg) steigern können. Noch deutlicher ist der Vergleich zwischen Stadt und Land. Von den 173.797 Jobs, die zwischen 2012 und 2016 neu dazu kamen, entfallen mehr als 71.000 auf die zehn größten Kommunen Österreichs. Anders ausgedrückt: Von allen zusätzlichen Beschäftigungsverhältnissen entfielen auf diese 41,3 Prozent der Jobs.