Ähnliches gilt auch für das "Gesundheits- und Sozialwesen". Hier gibt es natürlich einen größeren nicht-staatlichen Anteil als bei der Bildung, doch auch niedergelassene Ärzte, private Pflegeheime, Blutlabors oder mobile Altenpfleger erhalten einen erheblichen Teil ihrer Einkünfte über Zahlungen der (staatlichen) Sozialversicherung.

Fast eine Million im staatlichen oder staatsnahen Bereich

Nimmt man nun diese drei Kategorien zusammen, zeigt sich erstens: Fast eine Million Beschäftigte arbeiten bei Unternehmen oder staatlichen Einheiten, die diesen drei Wirtschaftszweigen zugeordnet werden. Bei insgesamt 4,1 Millionen Beschäftigten im Jahr 2016 ist das doch ein beträchtlicher Anteil.

Zweitens: Für Frauen sind diese Branchen von deutlich größerer Bedeutung. Fast ein Drittel aller beschäftigten Frauen arbeiten in diesem Segment - von der Bildung bis zu den vielfältigen Tätigkeiten in Krankenhäusern und in der Verwaltung.

Drittens: Zwischen 2012 und 2016 ist die Beschäftigung in diesem Bereich um 56.045 gewachsen, wobei auf weibliche Beschäftigte 82 Prozent (oder 46.169 Jobs) entfallen.

Wie anfangs gezeigt, waren im Jahr 2016 exakt 93.047 Frauen mehr in Beschäftigung als vier Jahre zuvor. Das heißt aber auch: Jeder zweite neue Job für Frauen wurde im staatlichen oder staatsnahen Bereich geschaffen. Bei Männern sind es nur etwas mehr als zwölf Prozent. Dem gegenüber zeigt sich, dass in Wachstumsbranchen mit höheren Einkommen, wie der Informations- und Kommunikationsbranche, vor allem Männer profitieren. Und natürlich auch primär die Städte.

Dagegen ist in den peripheren Räumen der Effekt staatlicher Jobs für Frauen noch einmal größer. Wohl auch, da im Handel, einer bedeutenden Branche für Frauenerwerbsarbeit, gerade am Land, eine Sättigung eingetreten ist. Es kommen kaum noch Fachmarkt- oder Einkaufszentren dazu, eher sperren sie zu. Beim Herunterbrechen der Erwerbsstatistik auf Bezirksebene ist zwar Vorsicht geboten, da sich einzelne Betriebsansiedlungen oder -schließungen gleich gravierend auswirken. Der Gesamtblick ist hier eindeutig.

Mit Einsetzen der besseren Konjunktur in den Jahren 2017 und 2018 könnte sich der Trend etwas verschoben haben, die Bedeutung des Staates als Arbeitgeber oder als direkter wie indirekter Financier dieser Jobs ist aber so oder so von großer Relevanz - und mehr noch für Frauen.

Das wirft auch eine Reihe von verteilungspolitischen Fragen auf: Was, wenn staatliche Budgets unter Druck geraten? Oder wenn es wieder einmal Nulllohnrunden im öffentlichen Sektor gibt? Wenn in benachteiligten Regionen öffentliche Infrastrukturen geschlossen werden? Das alles beträfe Frauen, und vor allem Frauen am Land, weit stärker. Was jedenfalls sicher ist: Der vielgeteilte Ausspruch Hartinger-Kleins: "Die Wirtschaft schafft die Arbeit!", verdient wohl eine Ergänzung.