Ex-Dayli-Chef Haberleitner hat sich für nicht schuldig erklärt. - © FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUM
Ex-Dayli-Chef Haberleitner hat sich für nicht schuldig erklärt. - © FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUM

Linz. (apa/red.) Ohne großen Publikumsandrang hat am Dienstag in Linz der Prozess gegen Ex-Dayli-Chef Rudolf Haberleitner und einen weiteren Angeklagten rund um die Pleite der Drogeriemarktkette Daily begonnen. Den Vorwurf grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen wiesen beide von sich. Beide waren sich auch einig, dass nicht Zahlungsunfähigkeit, sondern der Einfluss Dritter 2013 zur Insolvenz geführt habe.

Bevor die Beschuldigten zu den eigentlichen Anklagepunkten befragt wurden, ging das Gericht der Frage nach, was zur Pleite geführt hatte. Haberleitners TAP Dayli Vertriebs GmbH mit Sitz in Pucking (Linz-Land) wollte die angeschlagene Schlecker-Österreich-Tochter sowie andere Auslandstöchter umstrukturieren, meldete aber schon nach einem Jahr am 4. Juli 2013 Insolvenz an. Die knapp 900 Filialen wurden geschlossen, 3500 Beschäftigte, vor allem Frauen, verloren ihre Jobs. Für die Gläubiger soll es durch die Pleite zu einem Ausfall von knapp 114 Millionen Euro gekommen sein.

"Zwei Banken abgesprungen"

Noch heute zeigt sich der mittlerweile 74-jährige, "tätige Pensionist" Haberleitner davon überzeugt, dass "massive Gegenwehr von Dritten" zum Scheitern seines Vorhabens geführt habe. So habe Dayli am 21. Juni 2013 noch einen Überschuss von 5 Millionen Euro gehabt, meinte er. Wie er sich dann wenige Tage später am 30. Juni eine Überschuldung von 49 Millionen Euro erkläre, diese Frage konnte der Ex-Chef dem Richter nicht wirklich beantworten.

Umso ausführlicher beschrieb er aber, wie alle wie "eine Lawine über uns hergefallen" seien. Der "von Politik und Gewerkschaft erzwungene Ausstieg" des Investors Novomatic im Mai 2013 sei der Anfang vom Ende gewesen. Daraufhin seien "zwei Banken abgesprungen". Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und die Erste Bank hätten die bereits zugesicherten Kredite von je 40 Millionen Euro zurückgezogen. Zu Finanzierungszusagen - etwa einem 25-Millionen-Euro-Betriebsmittelkredit von der Coface Kreditversicherung und einem weiteren in gleicher Höhe des Einkaufsgesellschafters "ek servicegroup" - kam es nicht mehr. Eine 100-Millionen-Euro-Anleihe in London, vermittelt von der "ABig Investmentbank", sei ebenfalls gescheitert. "Für die gab es bereits 40 Millionen Euro Zeichnungen", ärgerte sich der Ex-Chef vor Gericht.

Als dann durch eine Änderung der Gewerbeordnung 2013, laut Haberleitner eine "Lex Dayli", die Sonntagsöffnung der Drogeriemarktkette "unmöglich" gemacht wurde, sei nichts mehr gegangen. "Man hat uns vernichten wollen", erklärte der Ex-Chef abschließend zur Ursache der Insolvenz. "Ich habe sicherlich nie etwas grob fahrlässig verursacht", wies er alle Schuld von sich.

Nun Gutachter am Zug

Auch der mitangeklagte ehemalige Geschäftsführer zeichnete ein positives Bild von Dayli. Das Sanierungsprojekt bezeichnete er als "hoch erfolgreich". In den bereits umstrukturierten Filialen habe sich der Umsatz verdoppelt, man sei auf dem "richtigen Kurs" gewesen. Das Ganze sei dann "wegen Umständen, die wir nicht beeinflussen konnten", gescheitert, meinte auch er.

Das Gericht vertagte den Prozess am Dienstag auf unbestimmte Zeit. Dann sollen Gutachter zu Wort kommen, und anschließend werden Zeugen geladen.