Wien. Österreich denkt wieder über eine hundertjährige Anleihe nach. Es könnte eine neue Anleihe aufgelegt oder die 2017 begebene hundertjährige Anleihe aufgestockt werden. Das bestätigte die Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) nach einem entsprechenden Reuters-Bericht. Österreich will damit vom nach wie vor niedrigen Zinsniveau profitieren. Außerdem werden die Konditionen für eine fünfjährige Anleihe mit einem Volumen von 3 Milliarden Euro ausgelotet, heißt es.

Österreich war im Jahr 2017 der erste Staat, der eine syndizierte hundertjährige Anleihe begeben hat - bei der die Papiere über Banken an Investoren verkauft werden. Die Anleihe ist zwar fix verzinst, kann aber gehandelt werden. Deren Rendite lag zuletzt bei 1,44 Prozent. Auch Belgien und Irland hatten in der Vergangenheit hundertjährige Anleihe begeben, allerdings bei nicht öffentlichen Emission.

Draghis Ankündigung mit Folgen

Die fünfjährigen Anleihen werden derzeit bei -0,44 Prozent gehandelt, nachdem sie erstmals im Oktober 2018 ins Minus gedreht hatten. Was für die Investoren bedauerlich sein mag, ist für die Republik naturgemäß ein angenehmer Nebeneffekt des derzeitigen Zinsniveaus. Noch nie konnte sich der Staat zu so günstigen Konditionen verschulden.

Die Staatsanleihen sind generell auf einem Rekordtief in der Erwartung auf erneute Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Eine zehnjährige Anleihe der Republik Österreich ist im Juni ebenfalls in den negativen Bereich gefallen, nachdem EZB-Chef Mario Draghi bei einem Treffen in Sintra in Portugal die Tür für eine erneute Runde von Anleihenankäufen ("Quantative Easing") geöffnet hatte.

Nicht viel anders verhält es sich mit deutschen Staatsanleihen. Sie befinden sich ebenfalls im Minus bei kürzerer Laufzeit. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundespapiere wurden auf ein Rekordtief von minus 0,332 Prozent gedrückt. Erst ab einer Laufzeit von 20 Jahren werfen deutsche Staatsanleihen wieder etwas ab.•