Wien/Montevideo/Brasilia. Die EU-Kommission geht etwa von einer Verdoppelung der europäischen Exporte in die Mercosur-Länder in den kommenden zehn Jahren durch das Handelsabkommen mit der EU aus. Die europäischen Exporteure sollen sich darüber hinaus Zölle über vier Milliarden Euro pro Jahr ersparten.

Hinter Mercosur verbirgt sich der "Gemeinsame Markt Südamerikas".  Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sind Mitglieder. Venezuela ist dauerhaft suspendiert, Bolivien dagegen Beitrittskandidat. Assoziiert sind die Staaten Chile, Peru, Kolumbien und Ecuador. Der Sitz der Organe liegt in Montevideo, Uruguay. Die Apa sammelte von der Außenhandelsabteilung der Wirtschaftskammer Österreich Wirtschaftsdaten der Mercosur-Staaten und zu deren Außenhandel mit Österreichs ein.

Die österreichische Handelsbilanz mit den Mercosur-Ländern ist laut Wirtschaftskammer übrigens eindeutig positiv: Rund eine Milliarde Euro an Warenexporten im Jahr 2018 stehen gut 640 Millionen an Warenimporten gegenüber. Exportiert werden größtenteils Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge. Bei den Importen handelt es sich vorwiegend um Rohstoffe, die für die österreichische Produktion wichtig sind.

Österreichs Stahl und Maschinen gehen nach Brasilien

Brasilien ist mit 208 Millionen Einwohnern die stärkste Volkswirtschaft Südamerikas und damit auch im Mercosur. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf stieg zuletzt auf 9.344 US-Dollar, lag aber etwa 2011 auch schon einmal bei 13.296 Dollar. Insgesamt erreichte das BIP im Vorjahr 1.868 Milliarden Dollar. Das Land importiere 2018 Waren im Wert von 190 Millliarden Dollar und führte Produkte im Gesamtwert von 242 Milliarden Dollar aus. Damit hat Brasilien eine deutlich positive Handelsbilanz von mehr als 50 Milliarden Dollar. Hauptsächlich exportiert werden Ölsaaten, metallurgische Erze, Erdöl(produkte) und auch Fleisch. Hauptsächlich importiert werden Erdöl(produkte), Maschinen und Straßenfahrzeuge. Top-Import und -Exportland ist China.

Österreich führte im Vorjahr Waren im Gesamtwert von 454 Millionen Euro aus Brasilien ein (2017: 349 Millionen Euro; 2010: 504 Millionen Euro). Dorthin ausgeführt wurden Waren im Wert von 833 Millionen Euro (2017: 726 Millionen Euro; 2010: 844 Millionen Euro). Die Außenhandelsbilanz lag voriges Jahr also mit 379 Millionen Euro deutlich im Plus. Der Anteil an der gesamten Einfuhr und an der gesamten Ausfuhr von bzw. nach Österreich lag 2018 bei 0,3 Prozent. Österreich führt vor allem Eisen und Stahl, medizinische Erzeugnisse und Maschinen nach Brasilien aus. Eingeführt werden vor allem anorganische chemische Erzeugnisse, metallurgische Erze und Gemüse/Früchte.

Aus Argentinien werden Leder, Fleisch und Früchte importiert

In Argentinien lag das BIP der knapp 45 Millionen Einwohner zuletzt bei 518 Milliarden Dollar (2018) und pro Kopf bei 10.604 Dollar (April 2019). Das reale BIP nahm im Vorjahr um 2,5 Prozent ab und dürfte heuer um gut 1 Prozent weiter sinken. Das höchste BIP pro Kopf der vergangenen Jahre gab es dort 2015 mit fast 14.900 Dollar. Die Inflationsrate kletterte im Vorjahr auf mehr als 34 Prozent, heuer auf fast 44 Prozent. Die Gesamtimporte lagen voriges Jahr bei rund 65,5 Milliarden Dollar, die Exporte bei 61,5 Milliarden Dollar.

Die Handelsbilanz war die vergangenen fünf Jahre leicht negativ, davor leicht positiv. Exportiert werden vor allem Tierfutter, Getreide und Straßenfahrzeuge. Fleisch findet sich nicht in den Top 5. Importiert werden vor allem Straßenfahrzeuge sowie Maschinen und Geräte für die Nachrichtentechnik. Top-Handelspartner ist Brasilien.

Österreich führte im Vorjahr Waren im Gesamtwert von 79 Millionen Euro aus Argentinien ein. Exportiert wurden Waren im Gesamtwert von 134 Millionen Euro. Der Anteil an der gesamten Einfuhr und an der gesamten Ausfuhr von bzw. nach Österreich lag 2018 bei 0,1 Prozent. Österreich führt vornehmlich medizinische Erzeugnisse, Maschinen und Arbeitsmaschinen nach Argentinien aus. Importiert werden in erster Linie Lederwaren, Fleisch und Gemüse/Früchte.

Handelsbilanz  mit Uruguay ist für Österreich negativ

Das Bruttoinlandsprodukt des flächen- und einwohnermäßig kleinsten Mercosur-Staats Uruguay mit nur 3,5 Millionen Einwohnern erreichte voriges Jahr knapp 60 Milliarden Dollar. Das BIP pro Kopf ist das höchste der vier Mercosur-Staaten sowie das zweithöchste ganz Südamerikas hinter Chile und lag voriges Jahr bei 17.165 Dollar. Das Land führte voriges Jahr Waren im Wert von 8,8 Milliarden Dollar ein und im Wert von 7,5 Milliarden Dollar aus. Die Handelsbilanz war zuletzt stets leicht negativ. Ausgeführt wird vor allem Fleisch gefolgt von Ölsaaten und Kork/Holz. Importiert werden vor allem Erdöl, Straßenfahrzeuge und Maschinen. Top-Handelspartner ist China.

Der Handel mit Österreich ist klein. Es fällt auf, dass die Handelsbilanz für die Alpenrepublik hier negativ ist. Österreich importierte aus Uruguay zuletzt Waren im Wert von 104 Millionen Euro. Dorthin exportiert wurden lediglich Waren im Wert von 18 Millionen Euro - in erster Linie medizinische Erzeugnisse, Maschinen und Apparate. Importiert wurden zum allergrößten Teil Papierhalbstoffe, weit vor Lederwaren und Fleisch.

Handel zwischen Österreich und Paraguay fast nicht existent 

Paraguay erzielte mit seinen 7 Millionen Einwohnern nur ein Gesamt-BIP von 41,6 Milliarden Dollar bzw. von 5.900 Dollar pro Kopf. Seit 2013 ist das BIP aber immerhin stetig gewachsen. Ausgeführt wurden im Vorjahr Waren im Wert von 8,7 Milliarden Dollar, eingeführt im Wert von 12,8 Milliarden Dollar. Das Land hatte zuletzt immer ein Handelsbilanzdefizit. Exportiert werden vor allem Ölsaaten, Strom und Fleisch, importiert Erdöl, Geräte für die Nachrichtentechnik und Straßenfahrzeuge. Wichtigste Exportländer sind Brasilien und Argentinien, importiert wird am meisten aus China.

Den österreichisch-paraguayischen Handel kann man als fast nicht existent beschreiben. Österreich importierte 2018 Waren im Wert von 5 Millionen Euro und exportierte Produkte im Volumen von 15 Millionen Euro. Die Außenhandelsbilanz war für Österreich zuletzt stets positiv. Exportiert wurden voriges Jahr vor allem Papier und Pappe, Arbeitsmaschinen und medizinische Erzeugnisse. Importiert wurden mit großem Abstand vor allem Ölsaaten. (apa)