Müllendorf/Wien. Schlumberger wird vorerst seine Produktion nicht ins Burgenland verlagern. Dabei hätte heuer der groß angekündigte Baustart für das Lager und die neue Produktionsstätte in Müllendorf, direkt an der A3, erfolgen sollen. Aufgrund von lokalpolitischen Kabalen und befürchteten Anrainerbeschwerden wird der Plan aber vorerst aufgeschoben. "Wir müssen das Konzept neu denken", sagt Schlumberger-Chef Arno Lippert.

Rund 70 Millionen Euro wollte der Sekthersteller ursprünglich in den Umzug von Wien-Heiligenstadt investieren. Bis zu 60 Arbeitsstellen sollten im Burgenland, nahe der Landeshauptstadt Eisenstadt dadurch geschaffen werden. Der geplante Bau eines 33 Meter hohen Lagers hat in den vergangenen Monaten aber auf Lokalebene für politische Debatten gesorgt, die ÖVP wollte deshalb eine Volksbefragung initiieren.

Nun will Schlumberger jedenfalls kein Hochlager mehr errichten. Die Sektproduktion soll aber weiterhin nach Müllendorf verlagert werden. Dafür hat der Sekthersteller auch bereits ein 122.000 Quadratmeter großes Grundstück im Wirtschaftspark der Gemeinde Müllendorf gekauft. Es gebe aber "kein Datum" für den Baubeginn, sagt Lippert. Der Produktionsstandort in Wien sei für LKW verkehrstechnisch nicht gut erreichbar und der Standort stoße auch bald an seine Produktionsgrenzen. Bereits der Ausbau des Schlumberger-Standorts in Bad Vöslau in Niederösterreich scheiterte übrigens an Anrainerprotesten.

Streit um sieben Meter

Konkret war es vor allem das geplante Lager, das für Unmut sorgte. Dieses hätte erst 33 Meter hoch gebaut werden soll, und damit um 7 Meter höher als die bis dahin übliche Höchstgrenze. Mit den Stimmen der SPÖ wurde im Gemeinderat die Bebauungsrichtlinie dann geändert - was zu Kritik der Opposition führte. Sie sah in dem Beschluss einen möglichen Präzedenzfall für weitere Projekte. Die ÖVP begann Unterschriften für eine Volksbefragung zu sammeln. Im Mai erklärte dann Schlumberger, das Lager doch mit 26 Metern Höhe zu begrenzen, nun kam allerdings generell das Aus für das Lager.

Die Verschiebung hat in der Landesregierung Besorgnis ausgelöst: SPÖ-Landesrat Christian Illedits bedauerte die Entscheidung, kündigte Gespräche mit der Firma an und kritisierte das Verhalten der ÖVP. FPÖ-Wirtschaftslandesrat Alexander Petschnig wollte am Nachmittag zur Causa Stellung nehmen. "Es passiert regelmäßig, die Bebauungsvorschriften den Notwendigkeiten anzupassen", sagte Illedits. Er hätte sich jedenfalls erwartet, dass die Landes-ÖVP in Müllendorf kalmierend eingreife. Illedits sprach in Bezug auf die Volksbefragung von einem "sehr bedenklichen Ansatz, mit direktdemokratischen Instrumenten muss man sehr sorgsam umgehen".

Die Schlumberger-Unternehmensgruppe, zu der auch die Sekt-Marken Goldeck und Hochriegl sowie die Schokoladen-Spirituose Mozart zählen, gehört zu rund 99 Prozent der Sastre Holding mit Sitz in der Schweiz. Diese gehört wiederum über eine Stiftung dem deutsch-schwedischen Unternehmer Frederik Paulsen Jun. Der Umsatz stagnierte 2018 bei rund 181 Millionen Euro, der Betriebsgewinn (EBIT) stieg allerdings von 6 auf 7 Millionen Euro. Seit der Einführung der Schaumweinsteuer im Jahr 2014 ist der Sektflaschenabsatz im österreichischen Handel um rund ein Viertel eingebrochen. Die bis Mai 2019 im Amt befindliche ÖVP/FPÖ-Regierung hatte eine Abschaffung der Schaumweinsteuer angekündigt, zur Umsetzung kam es jedoch nicht mehr. (sir)