Wien. Im Wesentlichen funktioniert das Einkaufen, zumindest in stationären Geschäften, nicht so viel anders wie zu jener Zeit, die oft als "gute alte" bezeichnet wird. Man geht ins Geschäft, selektiert, lässt sich gegebenenfalls beraten, dann bezahlt man - hierzulande nach wie vor primär mit Bargeld - und verlässt das Geschäft wieder.

Die Zukunft des Handels ist eine andere, zumindest in ihrer gegenwärtigen Darstellung. Preise, die sich einem Algorithmus folgend, stets neu berechnen; Waren, die sich automatisch abrechnen, kaum legt man sie in den Einkaufswagen; verkäuferlose Geschäfte, in denen der Kunde zwar König ist, bedient jedoch von einem ihm ergebenen Computer. Ob es alles so kommen wird?

Peter Buchmüller ist selbst Kaufmann mit zwei Lebensmittelgeschäften in Hof bei Salzburg und Großgmain. Er ist aber Bundesobmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer. Er sagt: "Mir geht das alles zu langsam, wir müssen schneller werden." Er hat wie viele in seiner Branche, und hier besonders im Westen Österreichs, mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen. Zum ersten Mal überhaupt hat er keine Lehrlinge bekommen. Nur zwei Bewerber hatten sich gemeldet, doch sie waren nicht die passenden.

"Im Handel sind viele Stellen frei", sagt Buchmüller. Im Juni dieses Jahres, das sind die aktuellsten Daten, waren knapp 10.000 offene Stellen beim AMS gemeldet, dazu kommen noch rund 1000 offene Stellen für Lehrlinge. Dabei, sagt Buchmüller, sei die Handelsbranche nach wie vor attraktiv. "Bei uns gibt es die Vier-Tage-Woche, und wir merken, dass wir auch Beschäftigte aus der Gastronomie bekommen." Der Sonntag ist, anders als in der Gastronomie, im Handel weitgehend frei. Das zieht offenbar, aber nicht genug. Der Mangel an Arbeitskräften soll daher aus Sicht Buchmüllers durch die Digitalisierung gemildert werden.

Insgesamt geht es der Branche nicht schlecht - im Durchschnitt. Aber es geht ihr sehr unterschiedlich. Einem Fünftel der bilanzierenden Handelsunternehmen (nur diese wurden untersucht) geht es wirklich gut, sie verfügen über eine hohe Rendite und ebenso eine hohe Eigenkapitalquote. Sie sind krisenresistent und können dank der vergleichsweise hohen Marge gute Gewinne schreiben.

Der Branche geht es gut - aber nur im Durchschnitt

Eine größere Gruppe, nämlich rund 40 Prozent, hat jedoch Grund zur Klage. Sie haben wenig Eigenkapital und nur eine geringe Rendite, wobei 17 Prozent der Handelsbetriebe tatsächlich überschuldet sind. Dieser Wert ist seit Jahren relativ konstant. Doch auf die ganze Branche umgelegt, gibt es eine positive Tendenz. Die Eigenkapitalquote hat sich über den kritischen 30 Prozent eingependelt, die Gewinne betrugen zuletzt 3 Prozent. Das ist nicht schlecht.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gewinne zwar zurückgegangen, und sie bewegen sich auch nach wie vor unterhalb der Gewinne anderer Branchen, doch mit drei Prozent (vor Steuern) kann der Handel dennoch zufrieden sein nach zahlreichen sehr mageren Jahren mit einer Umsatzrentabilität von nur knapp über einem Prozent.

Die Bilanz im Einzelhandel

Buchmüller hat aber sichtbar Bauchweh, diese drei Prozent zu bejubeln. Denn die Verteilung ist doch sehr unterschiedlich. Es gibt auch im Handel Branchen, die nach wie vor über eine ganz gute Rendite verfügen, etwa der Einzelhandel mit Möbel, der Elektrohandel oder der Sporthandel. Doch gerade bei Drogeriewaren und Lebensmittel, die ja auch Buchmüller selbst verkauft, liegt die Rendite unter einem Prozent. Mit einer derart niedrigen Marge ist es geradezu notwendig, sehr viel umzusetzen, also viel zu verkaufen. Kein Wunder, dass es kleine Lebensmittelhändler oder Drogerien und Parfümerien heute sehr schwer haben. (Anm: Die KMU Forschung hat in der Berechnung kalkulatorische Unternehmerlöhne eingepreist.)

Von der Politik wünscht sich Buchmann- als Vertreter seiner Branche - die rasche Umsetzung der Steuerreform. Diese soll ja noch vor der Wahl mit Stimmen von ÖVP und FPÖ beschlossen werden. Die wachsende Konkurrenz aus dem Internet spielt auch eine Rolle, zumal die steuerliche Belastung eine unterschiedliche ist. "Wir wollen Wettbewerbsgleichheit mit dem Online-Handel", sagt der Branchenobmann. Mit den Öffnungszeiten ist man in der Kammer zufrieden. "Wir haben jetzt 72 Stunden und brauchen keine 76 Stunden", sagt er. Nur Rewe als einziger Betrieb würde sich eine weitere Ausweitung wünschen. Man will ja auch als Arbeitgeber attraktiv bleiben.