Wien/Bukarest. Eine Niederlage vor rumänischen Höchstrichtern und damit verbunden eine 150,8 Millionen Euro teure Abschreibung hat die börsennotierte österreichische Erste Group im Halbjahr um den erhofften Rekordgewinn gebracht.  "Es sollte das beste Ergebnis in der Geschichte werden", so Konzernchef Andreas Treichl bei der Vorlage der Halbjahresbilanz. Das wäre es auch geworden, hätte in Rumänien nicht eine Richterin mit einer "interessanten Interpretation" bestehender Gesetze geurteilt, befand Treichl, der mit Jahresende das Ruder an Bernhard Spalt, den bisherigen Risikovorstand der Österreich-Tochter, übergibt,

In dem Streit ging es um die Auszahlung der staatlichen rumänischen Bausparförderung. Die Erste hatte über die Bauspartochter ihrer rumänischen Banktochter BCR an unter 18-Jährige und über 60-Jährige Bausparverträge verkauft, wofür diese auch die staatliche rumänische Bausparförderung bekamen. Laut Erste stand im Gesetz nämlich kein Alterslimit. Das Gesetz wurde in der Folge entsprechend adaptiert und die Erste Group schließlich höchstgerichtlich verurteilt. Dagegen will die Erste Group ankämpfen, Klagen vor Europarichtern werden geprüft. Entscheiden will die Bank eine solche Klage in den nächsten Wochen.

Treichl sprach von einer äußerst unerfreulichen Situation in Rumänien. Die Gruppe hat dort immerhin 400.000 Bausparkassenkunden. Wie man dort weiter arbeite, liege nicht an der Ersten, sondern an der Politik "und wie sie uns behandelt". Sollte es an entsprechendem Respekt fehlen, werde man das Bauspargeschäft in Rumänien schließen, drohte Treichl. Was er sehr bedauern würde. Mit der operativen Entwicklung der Großsparkasse BCR war er zuletzt sehr glücklich, sagte der österreichische Banker.

Nettogewinn lag unter dem Vorjahreswert

Auf Konzernebene lag im ersten Halbjahr 2019 der Nettogewinn der Erste Group mit 731,9 Millionen Euro unter dem Vorjahr (774,3 Millionen Euro). Das Betriebsergebnis per Ende Juni war mit 1,447 Milliarden Euro (plus 11,5 Prozent) das beste seit fünf Jahren. Statt steigender Kreditrisikokosten konnten netto weiterhin Vorsorgen aufgelöst werden. Nur mehr 2,8 Prozent der Kredite galten zur Jahresmitte als notleidend. Den Aktionären wird eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt.

Von einem Angebot für die zur Privatisierung ausgeschriebene teilstaatliche serbische Komercijalna banka hat die Erste Group Abstand genommen. In Serbien ist die Erste selber mit einer kleinen Bank vertreten. Statt um ein paar hundert Millionen wieder ein neues Filialnetz und unterschiedliche IT-Systeme zuzukaufen, will die Erste lieber in die digitale Entwicklung und Ausbildung ihrer Leute vor Ort investieren. (apa)