Wien/Salzburg. Da staunten selbst die Beamten der Finanzpolizei. Sie zählten bei einem sogenannten Barber-Shop in der Steiermark rund 50 Kunden. In der Registrierkasse war aber nichts verbucht. Dieser Verstoß und die Schwarzarbeit vor einigen Wochen war besonders krass. Einzelfall ist es aber keiner. Die Finanzpolizei hat in den vergangenen Monaten in Schwerpunktaktionen in mehreren Bundesländern Billigfriseurläden besonders unter die Lupe genommen. "Bei mehr als der Hälfte der bisher kontrollierten Betriebe mussten Verstöße bei der Registrierkasse festgestellt werden", wird im Finanzministerium auf Anfrage der "Wiener Zeitung" bilanziert.

"Dichte" an Billigfriseurläden in Wien besonders hoch

Verstärkte Kontrollen bei Barber-Shops wurden speziell in der Steiermark und in Kärnten vorgenommen. In Niederösterreich sind diese angelaufen. Auch in anderen Bundesländern wird es für Betreiber des Geschäfts mit der Schere haarig. In Wien gab es ebenfalls schon Schwerpunktaktionen in beanstandeten Läden. Dabei hat sich laut Finanzministerium bezüglich der Verstöße ein ähnliches Bild gezeigt.

Wegen der "Dichte der Billigfriseurläden in Wien" " werde die Finanzpolizei weiter in unregelmäßigen Abständen Schwerpunktkontrollen durchführen, wird von Behördenseite verraten. Österreichweit handelt es sich um 500 bis 600 Barber-Shops. - Eine Konkurrenz für bundesweit knapp 8000 Friseurbetriebe mit knapp 20.000 Beschäftigten.

Klagen aus der Wirtschaft über unlauteren Wettbewerb durch Billigfriseure etwa mit Männerhaarschnitten unter zehn Euro waren Auslöser dafür, dass die Finanzpolizei deren Geschäftsmodell näher angesehen hat. Dabei sei festgestellt worden, dass es zu "teilweise massiven Wettbewerbsverzerrungen durch Schwarzumsätze und Schwarzbeschäftigung kommt", wird im Finanzministerium bestätigt.

Neben den zahlreichen Verstößen gegen die Registrierkassenpflicht, womit dem Staat Steuern und Abgaben entgehen, fehlten besonders oft Aufzeichnungen über die Arbeitszeiten der Mitarbeiter. Deswegen besteht der Verdacht, dass Mitarbeiter in Barber-Shops öfter viel länger arbeiten als zulässig ist.

Für die Behörden ist das logisch. "Tatsächlich lassen sich Preise von unter zehn 10 Euro pro Haarschnitt mit Personal und unter Einhaltung von Mindestlohn und der Zahlung von Abgaben und Beiträgen nicht wirtschaftlich darstellen", wird vonseiten der Finanz argumentiert.

Der Bundesinnungsmeister der Friseure, Wolfgang Eder, erklärt der "Wiener Zeitung" offen, strenge Kontrollen der Barber-Shops sei das größte Anliegen der Mitgliedsbetriebe. "Unser Ansinnen ist es schon, dass wir die redlichen vor den unredlichen Betrieben in Schutz nehmen." So wie für die Finanz sind auch für den Salzburger, der 1983 die Meisterprüfung abgelegt hat und zwei Betriebe mit 21 Mitarbeitern führt, Preise unter zehn Euro höchst zweifelhaft: "Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen."

Unterschiedliche Kompetenzen: "Eine Frechheit"

Als einen Grund für die Misere sieht Eder die Lockerung der Gewerbeordnung 2003 an. Früher sei die Meisterprüfung der einzige Zugang zum Gewerbe gewesen. Betriebe mit eingeschränkter Gewerbeberechtigung seien nun "wirklich Mitbewerber". Außerdem beklagt er: "Jetzt ist für mich die große Frechheit, dass da die Kompetenzen eines türkischen oder syrischen Ausgebildeten den österreichischen gleichgestellt werden". In Österreich müssten aber etwa auch Hygienevorschriften oder Folgen für Hauterkrankungen gelernt werden.