Wien. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig: Mitten in der Hauptreisesaison gibt es Turbulenzen zwischen Europas größtem Billigflieger, der irischen Ryanair, und ihrer Tochterfirma Lauda. Hintergrund ist wieder einmal der ruinöse Wettbewerb in der Branche, der in den vergangenen zwei Jahren neben Air Berlin, die einst zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands, auch einige kleinere Airlines wie Skyworks (Schweiz), Small Planet (Deutschland), Cobalt (Zypern) und die skandinavische Primera Air in die Pleite trieb.

In den nächsten fünf bis sieben Jahren werde in Europa eine Handvoll Fluglinien überbleiben: die großen Netzwerkcarrier und große Billigflieger, "die Kleinen werden alle weg sein", so die Einschätzung von Andreas Sernetz, Geschäftsführer des Fluggastrechteportals Fairplane. Für die Zukunft von Lauda sieht er ebenfalls schwarz: "Ich bin mir nicht sicher, ob Lauda überhaupt überlebt." Ryanair-Chef Michael O’Leary, der für sein Kostenbewusstsein bekannt ist und auch nicht viel von Gewerkschaften hält, würde nie mit Verlust fliegen, sagt Sernetz.

"Jetzt müssen alle Federn lassen"

Der Preisverfall bei Tickets, höhere Kerosinpreise und die Unsicherheit über den EU-Austritt Großbritanniens haben Ryanair zuletzt ordentlich zugesetzt. Im abgelaufenen Quartal ging der Gewinn nach Steuern um 21 Prozent auf 243 Millionen Euro zurück. Wegen der gestoppten Auslieferungen von Boeings Mittelstreckenjet 737 MAX wurden die Wachstumspläne für das kommende Jahr zusammengestrichen, hunderte nicht mehr benötigte Stellen stehen auf der Kippe.

Für Sernetz ist das Startverbot für Boeings Unglücksflieger - innerhalb weniger Monate kam es zu zwei Abstürzen - nur eine Ausrede. "Im vorigen Jahr haben alle Airlines große Angebote gemacht, damit die Crews wechseln. Jetzt kommen sie drauf, dass sie zu teuer eingekauft haben", meint er. Und: "Jetzt müssen alle Federn lassen." Die Ticketpreise dürften vorläufig noch nicht steigen, da die Lufthansa versuche, Ryanair und andere Konkurrenten mit den Kampfpreisen ihrer Billigtochter Eurowings auszubluten.

Auch bei Lauda, früher eine Tochter der pleite gegangenen Air Berlin, ist von einem Jobabbau die Rede. Der Ferienflieger ist O’Leary zu wenig profitabel. Die Crews sollen daher unter anderem mehr fliegen und bei Überschreiten von Höchstgrenzen in Zwangsurlaub gehen. Kündigungen und der potenzielle Einsatz von Leiharbeitern einer polnischen Ryanair-Tochter stehen im Raum.

Die Arbeitnehmervertreter fühlen sich erpresst: Bis 14. August 2019 soll eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat abgeschlossen werden, die mehr Effizienz bringen soll. Andernfalls könnten bis zu 30 Bord-Mitarbeiter gekündigt werden und die für den Winterflugplan 2019/2020 angekündigte Expansion in Wien von Ryanair selbst durchgeführt werden.

Billigere Piloten zu bekommen, dürfte für Ryanair kein Problem sein, sagt Sernetz. Wizz Air, die größte Billigfluggesellschaft in Mittel- und Osteuropa, macht es vor und setzt auf polnische, lettische und bulgarische Piloten. Sernetz: "Das ist ein ganz anderes Gehaltsniveau."

Die Dienstleistungsgewerkschaft Vida steht hinter den Lauda-Beschäftigten und nimmt zudem einen neuen Anlauf für einen Branchen-Kollektivvertrag. Wie es am Mittwoch nach einem Krisengipfel von Arbeitnehmervertretern der in Wien ansässigen Fluggesellschaften Lauda, AUA, Eurowings und Level hieß, soll es bei ihnen in den nächsten Wochen, möglicherweise noch in den Ferien, Betriebsversammlungen am Flughafen geben, und zwar alle am selben Tag zur selben Zeit.

Die Berufsgruppe Luftfahrt in der Wirtschaftskammer Österreich lehnt einen einheitlichen Branchen-Kollektivvertrag ab. In der Luftfahrt sei dies aufgrund der globalen Tätigkeit "absolut unüblich", auch in Frankreich und Deutschland gebe es diese nicht, hieß es Anfang Juli in einer Aussendung.