Wien. Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat im ersten Halbjahr bei leichten Einbußen im Kerngeschäft unter dem Strich um ein Viertel weniger verdient. Der Konzerngewinn schrumpfte um 24,4 Prozent auf 571 Millionen Euro, wie die Bank am Donnerstag mitteilte.

Der Rückgang zum Vorjahr ergibt sich unter anderem auch dadurch, dass im vergangenen Jahr ein positiver Sondereffekt durch die Auflösung von Kreditrisikovorsorgen verbucht worden war.

Erfreulich entwickelten sich die Kundenkredite, die seit Jahresbeginn um neun Prozent zulegten. Bankchef Johann Strobl nannte hier vor allem Zuwächse in Russland, dem wichtigsten Einzelmarkt, und Österreich. Die RBI zählt neben der italienischen UniCredit und dem Wiener Rivalen Erste Group zu den größten Kreditgebern in Osteuropa.

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Die Risikokosten seien mit zwölf Millionen Euro anhaltend sehr niedrig geblieben. Der Anteil der faulen Kredite in den Büchern, die nach der Finanzkrise in Osteuropa sprunghaft angestiegen waren, schrumpfte weiter auf 2,3 Prozent nach 2,6 Prozent zu Jahresende 2018. Positiv ausgewirkt habe sich auch, dass gegenüber dem ersten Quartal weniger staatliche Abgaben zu leisten waren.

Für den weiteren Verlauf gibt sich die Bank zuversichtlich und bekräftigte ihren Ausblick. So soll etwa bis 2021 eine Kosten-Ertrags-Quote von etwa 55 Prozent erreicht werden und der Anteil der faulen Kredite weiter sinken.

Geldwäsche-Affäre um Ukio-Bank abgehakt

Die Geldwäsche-Affäre rund um die pleitegegangene litauische Ukio Bank kann die Bank hinter sich lassen. "Ich kann hier abschließend berichten, dass nach den Aktivitäten, die wir März 2019 gesehen haben, jetzt dieser Teil für uns abgeschlossen ist", sagte Strobl  am Mittwoch vor Journalisten.

Die Behörden haben in dem Fall keine Maßnahmen gegen die RBI ergriffen, berichtete Strobl. Außerdem habe eine interne Prüfung bestätigt, dass keine Verfehlungen seitens der RBI oder ihrer Kunden feststellbar gewesen seien. Im März war bekannt geworden, dass über die Ukio Bank russisches Schwarzgeld in den Westen geflossen und neben etlichen anderen West-Banken auch auf Konten von Raiffeisen gelandet sein soll. Die Raiffeisen-Aktien stürzten in Folge aus Angst vor Strafen um elf Prozent auf damals 19,84 Euro ein.

Trotz des bisher mit 50 Stellen begonnen Personalabbaus in der Konzernzentrale in Wien steige die Mitarbeiterzahl, betonte Strobl. Mit Ende Juni hatte die RBI konzernweit 47.181 Vollzeitäquivalente, Ende 2018 waren es 47.079. In Russland werden derzeit Mitarbeiter eingestellt. In der IT sei die RBI zudem seit gut einem Jahr dabei ausgelagerte Bereiche ins Haus zu holen, so Strobl. Das hängt auch damit zusammen, dass Mobile Banking, also Bank-Apps am Handy, immer wichtiger werden, mit etwas Verzögerung zu Westeuropa auch in Osteuropa. In Rumänien etwa erwartet die RBI 2021 eine Marktdurchdringung von 55 Prozent, nachdem 2018 erst 22 Prozent der Kunden dort mobile Bank-Anwendungen verwendeten.

Die RBI ist mit über 16 Millionen Kunden in 13 Ländern die zweitgrößte Bank in Österreich. Heimatmarkt ist Osteuropa einschließlich Russland und Ukraine. Die wichtigsten Kreditmärkte sind nach dem Firmengeschäft in Wien die Länder Tschechien, Slowakei, Russland und Rumänien. (reu/apa)