Der Chiphersteller ams (im Bild sein Stammsitz in Premstätten) will den weit größeren Osram-Konzern schlucken. - © apa/Ingrid Kornberger
Der Chiphersteller ams (im Bild sein Stammsitz in Premstätten) will den weit größeren Osram-Konzern schlucken. - © apa/Ingrid Kornberger

Graz/München. (kle/dpa) Die Aktien des Münchner Lichttechnikspezialisten Osram haben sich am Donnerstag in der Spitze um fast zwei Prozent auf je 36,98 Euro verteuert. Der Grund: Seit Mittwochabend steht fest, dass es ein Bieterduell um das ehemalige Siemens-Tochterunternehmen geben wird - zwischen dem steirischen Chiphersteller ams auf der einen und den verbündeten US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle auf der anderen Seite. Für die Preise gibt es damit nun zur Freude der Anleger Luft nach oben.

Die Karten werden nun neu gemischt, nachdem Osram den Weg für ein Übernahmeoffert von ams freigemacht hat. Wie der deutsche Konzern Mittwochabend mitteilte, hätten Vorstand und Aufsichtsrat ein bestehendes Stillhalteabkommen mit ams aufgehoben und eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Außerdem habe der Osram-Aufsichtsrat einer Zusammenschlussvereinbarung mit ams zugestimmt, die "Schutzzusagen für Mitarbeiter, Standorte und wesentliche Unternehmensteile" enthalte, wie aus einer Presseaussendung hervorgeht.

- © M. Hirsch
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Nichtsdestotrotz spricht sich die IG Metall mit Blick auf Osram weiterhin klar gegen eine Übernahme durch ams aus, wie ein Gewerkschaftsvertreter nach der Aufsichtsratsentscheidung sagte. Der Grund sei, dass es aus Sicht der IG Metall trotz Kooperationsvereinbarung nach wie vor keine wirklich belastbare Arbeitsplatzsicherheit gebe. Zudem sei zu bezweifeln, dass ams ausreichend Erfahrung habe, um die Komplexität von Osram als Konzern vollständig zu durchdringen. Risiken sieht die IG Metall auch darin, dass sich ams für die Übernahme weiter verschulden müsste.

Höheres US-Gebot im Gespräch

Im Gegenzug für das Stillhalteversprechen hatte ams im Juli Einblick in die Osram-Bücher erhalten. Es musste aufgelöst werden, damit ams den Osram-Aktionären das vor kurzem in Aussicht gestellte Angebot offiziell vorlegen kann. Der in Premstätten bei Graz ansässige Halbleiterproduzent will Osram für 38,50 Euro pro Aktie übernehmen, was die im Frankfurter MDax gelistete Firma mit insgesamt 4,3 Milliarden Euro bewertet.

Bain und Carlyle wollen nur 35 Euro je Aktie zahlen, dafür hatten die beiden US-Fonds der Belegschaft von Osram aber schon früh den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen zugesagt. Ihr Angebot an die Aktionäre läuft bereits, und zwar bis 5. September, nachdem die Finanzaufsicht grünes Licht gegeben hat. Bei ams muss das behördliche Okay noch erfolgen, bevor das Offert formal auch tatsächlich unterbreitet werden kann.

Der Kampf um die Übernahme wird dann wohl an Fahrt gewinnen: Zu Wochenbeginn gab es Medienberichte, wonach Bain und Carlyle eine Erhöhung ihres Gebots in Betracht ziehen, falls ams mit einem öffentlichen Angebot in den Ring steigt.

Ursprünglich hatte das Management von Osram über Wochen eine Übernahme durch die Amerikaner favorisiert. Dann war ams aber zu einem verbesserten Angebot bereit. Seitdem hätten beide Unternehmen "konstruktive Gespräche über eine Zusammenschlussvereinbarung" geführt, so Osram.

Zerschlagungsängste

Da aber ams bereits als hoch verschuldet gilt und die Übernahme mittels Kredit finanzieren müsste, gibt es Befürchtungen (vor allem auf Gewerkschaftsseite), dass die Steirer eine Übernahme mit einer Zerschlagung von Osram gegenfinanzieren könnten. Dabei würden sie dann nur jene Teile behalten, die für sie wichtig sind. Osram und die ams AG sind in einigen Geschäftssparten direkte Konkurrenten.