Wien. Der Kompass der Flugbranche ist dauerhaft auf Wachstum gestellt. Das gilt auch für den Flughafen Wien. Wie passt das aber zur hitzigen Klimadebatte, die sogar zu neuen Wortschöpfungen wie "Flugscham" geführt hat? Darüber sprach die "Wiener Zeitung" mit Günther Ofner (62). Der ÖVP-nahe Manager ist seit 2011 Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG.

"Wiener Zeitung": Steigende Passagierzahlen, Umsätze und Gewinne: In den letzten Jahren hat allein die Finanzkrise 2009 ein Loch gerissen. Ist Wachstum der natürliche Trend in dieser Branche?

Günther Ofner: Natürlich spürt auch der Flugverkehr Konjunkturkrisen, aber die Erfahrung zeigt, dass die Erholung sehr rasch erfolgt, einfach weil der grundlegende Trend kontinuierliches Wachstum ist. Für Wien kalkulieren wir mit langfristig 3 bis 3,5 Prozent Plus pro Jahr. Stadt und Region wachsen, und unser Einzugsbereich umfasst auch den Westen der Slowakei und Ungarns sowie den Süden Tschechiens. Dieser Raum wird noch zwei Generationen lang stark wachsen, einfach weil Aufholbedarf besteht.

Eigentlich können Sie also nichts falsch machen?

So würde ich das nicht formulieren. Das größte Risiko für einen Betreiber ist, wenn die Abläufe nicht reibungslos funktionieren. Dieses Geschäft ist unglaublich kompliziert. Jede kleinste Störung führt zu Verspätungen oder Ausfällen mit unangenehmen Folgen für die Passagiere. Auch 2017 hat die Pleite von Air Berlin, einst die zweitgrößte Airline Deutschlands mit hochfliegenden Plänen, gezeigt, dass es auch anders geht. Air Berlin war unser zweitgrößter Kunde, mit 16 Prozent Marktanteil, und es war alles andere als selbstverständlich, dass dieser Ausfall binnen so kurzer Zeit durch neue Airlines kompensiert werden konnte. Und es ist erst elf Jahre her, dass mit der AUA unser Home Carrier nur durch einen Verkauf an die Lufthansa gerettet werden konnte. Der Wegfall des Home Carriers bedeutet für jeden Flughafen den Super-GAU. Und der Fall Berlin zeigt, dass auch beim Bau eines Flughafens viel schieflaufen kann.

Aktuell kämpfen mehrere Billigfluglinien in Wien um Passagiere; das bringt auch Arbeitskonflikte, etwa wenn Betriebsräte mit Protesten den Flugbetrieb stören, um bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen. Ist das Geschäftsmodell der Billig-Airlines nachhaltig?

Die marketinggetriebenen Superaktionen täuschen darüber hinweg, dass die tatsächlichen Ticketpreise teils erheblich höher liegen. Die Zeit der Super-Billigtickets nähert sich ihrem Ende. Kein Unternehmen kann auf Dauer mit Verlusten leben - und nicht kostendeckende Preise führen zu Verlusten. Von daher glaube ich, dass auch in Wien die Ticketpreise mittelfristig wieder ein nachhaltiges Niveau erreichen.