Wien. Österreichs Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen arbeiten im Durchschnitt 38,2 Stunden, ihr Wunsch aber wären 36 Stunden pro Woche. Das ergibt eine Auswertung der Daten des Österreichischen Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich für 2018 und das erste Quartal 2019.

Jene mit weniger als 30 Stunden pro Woche wollen häufig mehr, jene mit mehr als 30 Stunden meistens weniger, sagt AK-OÖ-Präsident Johann Kalliauer: "Statt überlanger Arbeitszeiten braucht es eine deutliche Verkürzung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit. Eine künftige Bundesregierung ist gut beraten, die Novellen zum Arbeitszeitgesetz und Arbeitsruhegesetz zurückzunehmen." Die ÖVP-FPÖ-Regierung hat bekanntermaßen mit September 2018 die Ausweitung der Höchst-Arbeitszeiten auf 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden in der Woche ermöglicht.

Wunsch nach weniger Arbeit

Von Eltern wird der Wunsch nach weniger Stunden Erwerbsarbeit pro Woche besonders häufig geäußert. Sowohl Väter als auch Mütter wollen die Zeit, die sie mit dem Job verbringen, reduzieren. Denn die für den Arbeitsklimaindex befragten Mütter mit Kindern im Alter von bis zu fünf Jahren arbeiten 35,7 Stunden, würden durchschnittlich gerne um 2,9 Stunden pro Woche reduzieren. Bei den Vätern mit Kindern in diesem Alter sind es 36,2 Stunden, der Wunsch wären aber 33,6.

Am stärksten ausgeprägt ist der Wunsch, die Erwerbsarbeitszeit zu verringern, bei Vätern mit Kindern im Alter ab sechs Jahren: Diese arbeiten mit 43,8 Stunden in der Woche sogar weit mehr als der Durchschnitt mit 38 Stunden. Sie geben aber durchschnittlich 39,7 Stunden pro Woche als optimal an, die sie im Beruf verbringen wollen würden.

Frauen mit Kindern in diesem Alter arbeiten übrigens mit 31,5 Stunden im Durchschnitt zwar um 1,6 Stunden mehr als sie wollen, aber weniger als Mütter mit kleineren Kindern. Bei der Arbeiterkammerkammer Oberösterreich vermutet man, dass gerade jüngere Mütter mit ebenfalls noch jungem und gering verdienenden Partnern oder Alleinerziehende "den Vollzeit-Lohn zum Überleben brauchen und daher in den ersten Lebensjahren des Kindes länger arbeiten".

Ingrid Mairhuber, Politikwissenschafterin bei der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt, kurz Forba, sagt außerdem: "Das Problem mit der Kinderbetreuung fängt mit dem Schuleintritt erst richtig an. Manche Schulen haben gar keine Nachmittagsbetreuung." Zwar ist das in kleineren, ländlichen Gemeinden oft ein noch größeres Problem als in Städten, aber: "Selbst in Wien ist das wahrlich nicht einfach für Eltern." Mairhuber erwähnt mehrere Hebel, die die Situation für Eltern verbessern könnte: "Viele der von uns befragten Väter wollen zumindest keine Überstunden machen." Das Arbeitsrecht schütze aber davor nicht. In manchen Unternehmen könne man auch nur zwischen 20 oder 30 Stunden Teilzeit wählen. Die Folge: "Frauen reduzieren ihre berufliche Arbeitszeit eine längere Zeit auf wenige Stunden in Teilzeit, Männer aber steigern sie, damit das Familieneinkommen ausreicht. Für viele Frauen rächt sich das aber später in der Pension."

Mehrarbeit ist Gesundheitsrisiko

Zu viel Arbeit ist ein Gesundheitsrisiko, heißt es vonseiten der AK OÖ: Es sei "arbeitswissenschaftlich eindeutig belegt, dass lange Arbeitszeiten und viele Überstunden einen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit, Arbeitssicherheit und Zufriedenheit haben".

Auch Helmut Stadlbauer, Arbeitsmediziner bei IBG, das Unternehmen in Fragen rund um die betriebliche Gesundheitsförderung berät, bestätigt: "Je länger die Wochenarbeitszeit ist, desto wahrscheinlicher sind psychische und psychosomatische Beschwerden." Stress und Überbelastung führten unter anderem zu Schlafstörungen, Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Verspannungen. Eltern sind dabei oft doppelt belastet. "Stress hat kein Mascherl, deshalb wären je nach individuellem Lebensabschnitt gestaltbare Arbeitszeiten optimal."