Wien. Im Direktorium der Nationalbank (OeNB) sind mit 1. September nunmehr alle vier Posten neu besetzt. Mit dem Einzug des früheren Weltbank-Managers Robert Holzmann ist der personelle Umbau in der Führungsetage, für den die vorherige Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ Ende Jänner die Weichen gestellt hatte, abgeschlossen. Holzmann (70) steht als neuer Gouverneur an der Spitze des OeNB-Direktoriums. In dieser Funktion folgt der gebürtige Steirer mit einem Ticket der FPÖ auf Ewald Nowotny (75), der alles in allem elf Jahre Chef der Nationalbank war.

Künftig auch im EZB-Rat

Wie Nowotny ist auch Holzmann, dessen Vertrag - wie bei OeNB-Direktoriumsmitgliedern üblich - sechs Jahre läuft, Wirtschaftswissenschafter. Im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), die unter anderem über die Zinsentwicklung in der Eurozone entscheidet, wird der neue Gouverneur der Nationalbank als Repräsentant Österreichs im Übrigen ebenso vertreten sein wie Nowotny.

Noch bevor Holzmann den Chefposten in der OeNB offiziell angetreten hat, meldete er sich am Freitag zum Thema Bargeld, das hierzulande zuletzt besondere Brisanz hatte, zu Wort - als Privatmann. Via Aussendung betonte er, dass er Bargeld als Zahlungsmittel für "unverzichtbar" halte. Bargeld habe "eine wesentliche Funktion in unserem Wirtschaftssystem", es sei auch "weitgehend betrugssicher", so der habilitierte Ökonom. Sein Fazit: "Vorstöße in Richtung Abschaffung dieses so wichtigen Zahlungsmittels machen hier keinen Sinn." In Österreich erfolgten mehr als 80 Prozent aller Transaktionen mit Bargeld, dies entspreche zwei Drittel des gesamten Zahlungsvolumens.

Die Bestellung Holzmanns, der in den Jahren 1997 bis 2011 für die Weltbank in leitenden Funktionen tätig war, davor für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris sowie den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, war nicht unumstritten. Kritik kam vor allem von der SPÖ und der Liste Jetzt. SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer unterstrich, dass Holzmann zwar ein "ausgewiesener Pensionsexperte" sei, kritisierte aber, dass dieser "keinerlei Erfahrung" bei der Führung größerer Unternehmen und "keine Erfahrung" in der Geldpolitik habe. Bruno Rossmann, Klubchef der Liste Jetzt, meinte jüngst, dass Holzmann zwar über die "erforderliche fachliche Kompetenz" für den Gouverneursposten verfüge. "Die derzeitige geld- und fiskalpolitische Landschaft in Europa braucht jedoch dringend einen Paradigmenwechsel", so der Politiker. "Mit Robert Holzmann als Vertreter der ,Mainstream-Ökonomie‘ wird es diesen nicht geben."