Altersarmut betrifft vor allem Frauen. Trotzdem interessieren sie sich zu wenig für ihre Finanzen. Ursachen dafür sind alte Traditionen, die Geld zur Männersache gemacht haben. Frauen legen hingegen ihren Fokus stärker auf Job, Familie und Haushalt. Die männerfokussierte Finanzwelt vergrämt den Rest. Dabei ist wirtschaftliche Unabhängigkeit Voraussetzung für Emanzipation, sagt Angelika Slavik im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Wiener Zeitung": In Ihrem Finanzratgeber geht es auch darum, die eigene Altersvorsorge in die Hand zu nehmen. Warum adressieren Sie speziell Frauen?

Angelika Slavik: Die Zahlen sprechen für sich. Im Durchschnitt erhalten Österreicherinnen nur 84 Prozent der Einkommen von Österreichern. Frauen bekommen ein Fünftel weniger Pension, besitzen 23 Prozent weniger Privatvermögen. Es gibt zwei Hauptgründe, warum es speziell ein Frauenthema ist. Zum einen die historische Dimension. Es ist erst wenige Jahrzehnte her, dass Frauen kein eigenes Konto eröffnen konnten, dass sie ohne Erlaubnis des Ehemannes keine Arbeit aufnehmen konnten. Es gibt keine gewachsene Tradition von finanzieller Unabhängigkeit von Frauen. Das braucht Zeit, bis das überwunden ist. Auch der Faktor, dass Frauenleben sehr voll ausgefüllt sind, spielt eine große Rolle. Es gibt viele verschiedene Rollen und sehr viel zu tun. Viele Frauen neigen dazu, das Thema Finanzen immer hintanzustellen. Weil sie sich auch selbst oft hintanstellen. Familie, Freunde, Kinder, Job gehen vor. Es gilt im Umfeld auch als sympathisch, wenn man nicht die ganze Zeit darüber nachdenkt, wie man sein Geld vermehren kann. Aber im Alter kann das fatale finanzielle Folgen haben.

Der Finanzmarkt samt seinen Produkten ist an sich weder männlich noch weiblich. Braucht es andere Produkte, eine andere Herangehensweise, damit Frauen sich angesprochen fühlen?

Ja, es sollte vor allem eine andere Sprache geben. Alles was mit Finanzen zu tun hat, ist gespickt mit Begriffen, die ein normaler Mensch nicht verstehen kann. Die abschreckende Sprache macht die Einstiegshürde besonders hoch. Das hält Menschen, die keine Vorbildung oder besondere Affinität zu dem Thema haben, fern. Es ist natürlich fraglich, ob es im Interesse von Banken ist, dass Normalsterbliche verstehen, um was es geht, und hier selbständiger werden. Also, ob das nicht Teil ihres Geschäftsmodells ist, dass es eine Art Herrschaftswissen gibt.

So langsam gibt es etwas Aufwind zum Thema: Frauen informieren sich über Blogs, Podcasts, Facebook-Gruppen. Warum springen Finanzdienstleister da nicht auf und bieten dementsprechend Angebote für die Hälfte der Bevölkerung?