Wien. Die Zahlungsmoral in Österreich ist ausgesprochen hoch - auch im internationalen Vergleich. Noch zuverlässiger sind nur die Deutschen. Während hierzulande Privatpersonen und Firmen kaum mit ihren Zahlungen in Verzug geraten, hat die öffentliche Hand noch Aufholbedarf. Bund und Länder nützten ihre Machtposition mitunter aus, so der KSV.

"Der Bund ist ein übermächtiges Gegenüber, da werde ich nicht gleich mahnen", räumte Ricardo-José Vybiral, Chef des Kreditschutzverbandes KSV1870, am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien ein. Zudem erhielte die öffentliche Hand häufig bessere Zahlungsziele als Privatpersonen oder Firmen.

Doch auch im öffentlichen Sektor gibt es Unterschiede: Während Bund und Länder im Schnitt erst nach 36 Tagen bezahlen, begleichen Gemeinden ihre Rechnungen durchschnittlich schon nach 29 Tagen. Unternehmer und Gemeindevertreter seien sich näher, da sie auch oft im Gemeinderat sitzen würden, sagte Vybiral. Bund und Länder hingegen hielten sich nicht an das, was sie sich selbst auferlegt haben.

Besonders vorbildlich zahlen Privatpersonen. Im Schnitt werden Rechnungen schon nach 15 Tagen beglichen bei einem Zahlungsverzug von nur einem Tag. Die hohe Zahlungsmoral liege auch an der guten Wirtschaftslage und an einer generellen "Kultur des Zahlens" in Österreich. "Nichtbezahlen kostet", so Walter Koch, Chef des KSV-Forderungsmanagements.

Auch Firmen berappen ihre Schulden meist fristgerecht. Im Schnitt sind Unternehmer fünf Tage im Verzug, die durchschnittliche Zahlungsdauer beträgt 29 Tage. Die EU schreibt 30 Tage vor.

Jedoch gibt es auch solche, die absichtlich auf die letzte Mahnung warten und das Begleichen von Rechnungen hinauszögern. Ein Drittel der Firmen, die mit ihren Zahlungen in Verzug sind, bezahlen vorsätzlich nicht, 41 Prozent nützen ihre Machtposition aus, zeigt eine Analyse des KSV. Hauptgründe für das Nichtbezahlen von Rechnungen sind aber die Ineffizienz der Verwaltung sowie momentane Liquiditätsengpässe.

Bei den Privaten ist Vergesslichkeit (59 Prozent) der Hauptgrund, eine ausständige Rechnung nicht zu bezahlen. Erst danach folgen Liquiditätsengpässe (44 Prozent), Vorsatz (30 Prozent) oder Überschuldung (22 Prozent).

Im Jahr werden 1,9 Millionen Rechnungen in Höhe von 1,35 Mrd. Euro auch nach Zahlungserinnerungen und Mahnungen nicht bezahlt. Die Firmen verzeichneten 2018 im Schnitt einen Forderungsverlust von 1,7 Prozent des Umsatzes. Der KSV hat 2018 als Inkassobüro 42,5 Mio. Euro für Firmen wieder eingetrieben.

Derzeit seien erste Anzeichen einer Trendumkehr erkennbar. Fast 18 Prozent von 1.000 befragten Firmen vermuten, dass sich die Zahlungsmoral verschlechtern wird. Vor einem Jahr waren es 14 Prozent. KSV-Chef Vybiral ist optimistischer. Die Eigenkapitalquoten der Firmen seien gestiegen, das Geschäftsvolumen ebenfalls. "Die Guten werden besser, die Schlechten weniger", sagte Vybiral. Bei einer Krise hätten die Firmen einen langen Atem. Aktuell beurteilen 68 Prozent der Befragten die Wirtschaftslage als sehr gut oder gut, nur 6 Prozent als mangelhaft oder ungenügend. Die Investitionsfreude geht aber etwas zurück.

International gesehen liegt Österreich mit einer durchschnittlichen Zahlungsdauer von 29 Tagen auf dem zweiten Platz hinter Deutschland (27 Tage). Auch in Dänemark (32 Tage), Schweden (34) und Großbritannien (35) werden Rechnungen schnell beglichen. In Italien hingehen nimmt man Zahlungsfristen nicht so genau - die durchschnittliche Zahlungsdauer beträgt 74 Tage. Etwas besser ist sie in Griechenland, und zwar 61 Tage. (apa)