Egal, ob wir es Klimawandel, Klimakrise oder Klimakatastrophe nennen: "Es steht jedenfalls soviel fest: Wir haben ein Klimaproblem", sagt Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber bei der Eröffnungsrede zur Energiekonferenz "Energy2050". Das Thema menschengemachter Klimawandel und die CO2-Problematik sei nun wirklich in der Gesellschaft angekommen: "Es sind nur noch Halbgebildete, die das bezweifeln", sagt Anzengruber: Wenn die Menschheit den CO2-Ausstoß nicht eindämme, sondern so weiter mache, wie bisher, dann werde es am Ende des Jahrhunderts vier bis fünf Grad Celsius auf der Erde wärmer.

Und das sei auch ein ökonomisches Problem, warnt Anzengruber. Nun müssen Anreize geschaffen werden, damit sich die Marktteilnehmer auf die neue Realität einstellen und umstellen. Fazit: "Wir werden ohne einer Bepreisung des CO2 nicht weiterkommen", sagt Anzengruber. Das müsse aber nicht notwendigerweise über eine CO2-Steuer passieren - die gerade in Deutschland auf dem Tisch liegt. Auch andere Modelle sind denkbar. Etwa ein marktbasiertes System, das Mindestpreise für die Emissionen vorgibt.

Österreich emittiert rund 80 Millionen Tonnen CO2 jährlich. Das sind etwa 10 Tonnen pro Einwohner im Jahr, vielleicht 15 Tonnen, wenn man die Energieimporte, die außerhalb Österreichs für Emissionen sorgen, mithinein rechnet. "Wir müssen bis Mitte des Jahrhunderts von diesen 15 Tonnen auf zwei Tonnen im Jahr zurückdrehen, wenn die Klimaerwärmung unter zwei Grad bleiben soll", sagt Anzengruber. Und dafür müssen die Weichen gestellt werden.

Derzeit kommen rund 45 Prozent der CO2-Emissionen aus der Industrie. Die zahlt an und für sich bereits einen Preis auf den Ausstoß - durch den Emissionszertifikatehandel der EU. Der Preis für eine Tonne liegt aktuell bei rund 27 Euro - und ist damit billiger als vor zehn Jahren. Das macht auch die Vergabe von Gratis-Zertifikaten möglich.

Vermeidung muss günstiger werden als Strafzahlung

Im Gegenzug bedeutet das: 55 Prozent der Emissionen werden derzeit nicht preislich erfasst. Davon kommt die Hälfte aus dem Verkehr. "Wir müssen dem Schadstoff einen Preis geben. Die CO2-Vermeidung muss günstiger werden als die Strafzahlung", sagt Anzengruber.

So ein Mindestpreis je Tonne CO2 könne auch jährlich steigen, um Industrie und Konsumenten die Zeit zu geben, sich anzupassen. Laut Anzengruber würde ein Preis von 60 Euro pro Tonne genügen, um den Ausstoß zu minimieren.

Österreich müsse nicht einmal auf die EU warten, um diese Anreize zu schaffen: Auch Schweden hat eine Zahlung auf Emissionen - mit umgerechnet 120 Euro die Tonne - alleine eingeführt. "Schweden hat auch eine Stahlindustrie. Und die sind auch nicht verarmt", sagt Anzengruber mit Blick auf die oberösterreichische Voest. Ein privater Haushalt würde den Aufschlag auf die Energie natürlich spüren - aber von dem Geld könne man auch den etwaigen Mehraufwand von 150 Euro pro Kopf im Jahr für sozial Schwache ausgleichen.

Wolfgang Hesoun, Generaldirektor von Siemens Österreich, macht darauf aufmerksam, dass bald 80 Prozent des CO2-Ausstoßes in den urbanen Räumen verursacht wird. "Dort einen Hebel der Vermeidung zu finden, ist sicher wirksam." Es gehe darum, die Städte neu zu organisieren und den Verkehr zu optimieren. "Dass das möglich ist, zeigt das Zusammenspiel aus Energietechnologie und intelligenter Software etwa in Aspern", sagt Hesoun. Österreich sei in Europa Vorreiter bei der Produktion von CO2, aber auch bei Effizienzsteigerungen. "Da gibt es keinen Anlass zur Depression", sagt Hesoun. Und in Zeiten der schwachen Konjunktur können Investitionen in diesem Sektor für die Wirtschaft sehr interessant sein.