Die Wege seien ganz unterschiedlich. In kreativen Berufen wie etwa im Grafikdesign seien viele junge Leute nach einigen Jahren oft so desillusioniert und ausgebrannt, dass sie in die Selbstständigkeit gehen, "um wieder selbst steuern zu können, was sie machen, kreativ zu sein." Anders verhalte es sich beispielsweise bei der Übersetzerin, die nirgends eine Anstellung finde und gezwungen sei, ihre Dienste selbständig anzubieten.

Man müsse jedenfalls "ganz genau hinschauen, ob die viel gerühmte Freiheit auch gelebt werden kann", betont Schönauer. Die Anforderungen der ständigen Erreichbarkeit und oft überlanger Arbeitszeiten unter hohem Konkurrenzdruck könnten hauptsächlich junge, kinderlose Männer erfüllen, die sich in einer Lebensphase befinden, wo der Fokus auf dem Erwerbsleben liege. "Für immer können sie sich das aber nicht vorstellen", weiß Schönauer aus Gesprächen. Auch alternative und neue Arbeitsformen müssten sich irgendwie lohnen: In Form von Geld, Sicherheit, Wertschätzung, sozialer Anerkennung. Sei dies nicht der Fall, so könnten alternative und neue Arbeitsformen auch "toxisch" werden und mitunter zu Burn-Out führen.

Auch wenn das Auslagern abgrenzbarer Tätigkeiten an Einzelpersonen für Unternehmen den Zugang zu dringend benötigten qualifizierten Arbeitskräften bedeute, sei es enorm aufwendig, die benötigten internen Strukturen und Schnittstellen dafür zu schaffen. Und es berge auch hohe Risiken, sagt Annika Schönauer: "Wenn die Person ausfällt, ist der Auftrag quasi gegessen."

Gemäß Deloitte-Studie sehen Unternehmen, die bereits mit alternativen Arbeitsmodellen arbeiten, den drohenden Wissens- und Kompetenzverlust (53 Prozent) sowie die erschwerte Zusammenarbeit im Team (51 Prozent) als bedeutendste Risiken. Weniger Planungssicherheit (74 Prozent) ist für jene ohne Erfahrung mit alternativen Arbeitsformen das größte Risiko. Ein verstärkter Einsatz von alternativen Arbeitsformen könne sich für die heimischen Unternehmen durchaus lohnen, so Elisa Aichinger. Durch den Zugang zu neuen Kompetenzen, mehr Flexibilität und Agilität sowie höhere Innovationskraft.