Zusammenarbeit statt Konkurrenz, ein Konzept, das auch das Wirtschaftsnetzwerk "Kraft. Das Murtal" verinnerlicht hat. Rund 90 führende Betriebe sind seit 2009 involviert. Sie versuchen mit unterschiedlichen Maßnahmen ihr Image zu verbessern, versuchen junge Menschen zum Bleiben zu bewegen. Schulklassen werden in Betriebe eingeladen, Lehrer unterrichten regionale Wirtschaft, Karrieremöglichkeiten werden besprochen. Mit der Initiative versuchen die Betriebe auch dem in der Region vorhandenen Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken.

Ein Betrieb, der bei der Anwerbung von Mitarbeitern sehr erfolgreich ist, befindet sich in Bruck an der Mur. 400.000 Tonnen Papier pro Jahr erzeugt die 1881 gegründete Fabrik, die 410 Mitarbeiter beschäftigt. 72 Millionen Euro wurden vor kurzem in den Standort investiert, der vor 23 Jahren vom norwegischen Papierhersteller Norske Skog übernommen wurde.

"Wir spüren den Arbeitermangel in der Region, es ist schwierig Mitarbeiter zu gewinnen", sagt Gert Pfleger, verantwortlich für Personal und Geschäftsentwicklung. "Unsere Situation hat sich aber verbessert."

Norske Skog rollt Mitarbeitern den roten Teppich aus. Das fängt bei den Lehrlingen an, die mit ihren Ausbildnern gemeinsame Ausflüge machen. "Zuletzt waren sie vier Tage in Bratislava. Auf Kosten der Firma", sagt Pfleger. Jeden zweiten Freitag gibt es sportliche Aktivitäten in der Dienstzeit. In gesponserten Sportanzügen trainieren sie mit lizensierten Trainern, spielen Fußball und Federball, praktizieren Nordic Walking. Einzige Bedingung: Jeder muss mitmachen.

Für alle Mitarbeiter wird eine breite Palette an Aktivitäten angeboten. "Von der Muttermaluntersuchung durch die Hausärztin bis zur Rückengymnastik", sagt Pfleger. Eine Werksküche bietet täglich ein 3-gängiges Menü nach Ernährungsplan unter dem Selbstkostenpreis an. "Für uns ist Gesundheit nicht nur die Abwesenheit von körperlichen Krankheiten", sagt Pfleger.

Jedes Quartal gibt es zudem Informationstreffen für Mitarbeiter, wo Einblicke in aktuelle Projekte und die wirtschaftliche Situation des Unternehmens offengelegt werden. Auch flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, alternative Tätigkeiten werden von Norske Skog angeboten. "Die Arbeit muss erledigt werden, es ist aber egal, zu welcher Stunde", sagt Pfleger.

Der Vertrauensvorschuss des Unternehmens wird gut angenommen. "Die Mitarbeiter nutzen das System im Regelfall nicht aus." Ein Modell, um die Jungen in der Region zu halten?

Der Verkauf des Industriedenkmals Erzberg, die Streiks von tausenden Stahlarbeitern, sie haben die Wahrnehmung der Österreicher über die obersteirische Region bisher geprägt. Doch das Bild des Niedergangs ist nicht mehr stimmig.

"Die Veränderung der Betriebe ist gelungen", erklärt Steiner. "Sie sind offen für den Weltmarkt, offen für Qualität, die Mur-Mürz-Furche ist eine Qualitätsregion geworden." Auch, wenn die Abwanderung wie ein grauer Schatten über der Region liegt.