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Hunderttausende Urlauber bekommen die Pleite des britischen Reisekonzerns Thomas Cook zu spüren. Darunter sind allein 150.000 Briten, 140.000 Deutsche sowie Tausende Österreicher. In Wien kam es zu einer Krisensitzung des Außen- und Verkehrsministeriums mit Reisebürounternehmen. Dieses Treffen diente, um Klarheit über die Zahl und Situation der Betroffenen zu erhalten und das weitere Vorgehen zu klären.

Direkt in den Feriengebieten befanden sich am Montag 4600 österreichische Gäste, berichtete ein Sprecher von Thomas Cook Österreich, die am Montag nicht insolvent war. 400 Abreisen seien für Montag und Dienstag geplant. Für heimische Urlauber stehe eine eigene Serviceline der Abwicklungsgesellschaft Allianz Worldwide Partners (AWP P&C S.A.) unter der Rufnummer +43-1-52503-681 zur Verfügung. Die E-Mail-Adresse lautet thomascook.at@allianz.com (Polizzennumer: 02-1034065014-0). Konsumentenschützer Peter Kolba vom Verbraucherschutzverein meinte, insgesamt könnten in Österreich 10.000 bis 15.000 Touristen betroffen sein.

Bürgerservice verstärkt

Das Außenministerium hat das Bürgerservice, das unter +43(0)5011504411 erreichbar ist, für Auskünfte verstärkt. ÖVP-Vizechefin Ex-Tourismusministerin Elisabeth Köstinger rief die Übergangsregierung auf, rasch eine Rückholaktion für gestrandete Urlauber zu organisieren.

Reisende müssen aktiv bleiben, damit ihre Ansprüche nicht verfallen. Der heimische Reiseveranstalter Verkehrsbüro und der zu ihm gehörende Vermittler Ruefa bemühen sich um Lösungen für verunsicherte Urlauber der Reisegruppe Thomas Cook. Pauschale Aussagen, dass Reisende an den beiden Tagen nicht befördert werden könnten, seien nicht zulässig. Sie müssten auf jeden Fall zum Flughafen fahren und vor Ort sehen, ob die Reise angetreten werden könne. Damit sei die sogenannte "Reisebereitschaft" sichergestellt. Gleiches gelte für Reisende am Urlaubsort.

Im Falle des Übergreifens der Insolvenz des britischen Reiseveranstalters auf das Österreich-Unternehmen gibt es für heimische Kunden die Möglichkeit, Geld zurückzubekommen. Reiseanbieter müssen sich in Österreich für den Fall einer Insolvenz absichern. Die Versicherung gilt für Pauschalreisen. Sollte eine Reise aufgrund einer Pleite gar nicht angetreten werden können, erstatte der Versicherer die Reisekosten zurück, erläuterte Experte Kolba. Sollte eine Insolvenz im Laufe des Urlaubs eintreten, hat ein Betroffener Anspruch darauf, rasch und kostenlos in die Heimat zurückgebracht zu werden. Betroffene Reisende müssen ihre Ansprüche innerhalb von acht Wochen ab dem Eintritt der Insolvenz beim Abwickler anmelden.

Der Haken könnte eine ausreichende Deckung sein. Abgesichert sind 110 Millionen Euro. Der Wert der betroffenen Reisen dürfte laut Schätzungen von Verbraucherschützern und Reisebüros insgesamt deutlich höher sein. In dem Fall würde der Schaden nur anteilig rückerstattet.

Vor allem in Großbritannien und Deutschland war man bestrebt, das Chaos um gestrandete Urlauber möglichst gering zu halten. Die größte britische Rückholaktion in Friedenszeiten trägt den Namen "Aktion Matterhorn". Die britische Regierung hat laut BBC 45 Maschinen gechartert, um auf 64 Strecken zu fliegen. Insgesamt sollten noch am Montag mindestens 14.000 Urlauber auf die Insel zurückgeholt werden.

Die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor durfte aus rechtlichen Gründen Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen. Davon seien 21.000 Personen betroffen, Rückflüge seien nicht betroffen, hieß es. Insgesamt seien 240.000 Kunden auf Rückflügen gebucht. Den Flugbetrieb werde aufrechterhalten, betonte ein Condor-Sprecher.

"Erdbeben der Stärke 7"

In südlichen Tourismusländern saßen Tausende Touristen fest. Insgesamt seien in Griechenland rund 50.000 Touristen von der Pleite des Reisekonzerns betroffen. Die griechische Reisebranche wird massiv erschüttert. Das Finanzministerium wurde eingeschaltet, um Tourismusbetrieben unter die Arme zu greifen. "Das ist ein Erdbeben der Stärke 7, der Tsunami kommt erst noch", sagte der Chef des kretischen Tourismusverbandes, Michalis Vlatakis.

In die Türkei sind 45.00 Urlauber mit Thomas Cook angereist. Der Chef des Hotelverbandes, Osman Ayik befürchtet laut Agentur Reuters, als Folge der Insolvenz könnten jährlich 600.000 bis 700.000 Urlauber weniger in die Türkei kommen.(apa/dpa/afp)