München/Graz. Der Bieterkampf um den börsennotierten Münchner Lichtkonzern Osram spitzt sich zu. Die beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital und Advent wollen ein weiteres Übernahmeangebot für Osram abgeben und das 4,3 Milliarden Euro schwere Offert des steirischen Chip- und Sensor-Herstellers ams übertrumpfen.

Sie hätten einen "bedeutenden Aufschlag" gegenüber den von ams gebotenen 38,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt, ohne eine Summe zu nennen, teilte Osram am Mittwoch mit. Bis das Angebot konkret vorliegt, kann es allerdings noch einige Wochen dauern. Advent und Bain Capital wollen vorher in die Bücher von Osram schauen und müssen noch die Finanzierung sichern.

Die Osram-Aktionäre haben nun die Wahl zwischen dem Spatz in der Hand und der Taube auf dem Dach. Sie müssen bis kommenden Dienstag (1. Oktober) entscheiden, ob sie das Offert von ams annehmen oder nicht. Die Steirer brauchen 62,5 Prozent der Osram-Aktien, damit ihr Angebot erfolgreich ist (diese Latte haben sie sich selber gelegt). Doch bis dahin dürfte das Gegengebot von Bain und Advent nicht vorliegen. "Es ist aus Sicht des Vorstands von Osram derzeit noch nicht abzusehen, ob es ein verbindliches Angebot von Advent und Bain Capital geben wird", warnte Osram.

Doch ams ist in Zugzwang: Die Österreicher haben noch bis Montag Zeit, das eigene Angebot zu erhöhen. Dann würde sich die Annahmefrist bis zum 15. Oktober verlängern. Allerdings tappen sie im Dunkeln, ob ihr nachgebessertes Offert dann ausreichen würde.

Halbleiterkonzern ams für deutsche Gewerkschafter rotes Tuch

"Wir glauben, dass die Zukunft von Osram im Einklang mit allen Interessengruppen, einschließlich der Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter, gestaltet werden muss", zitiert Osram aus dem Schreiben. Bain und Advent seien zu entsprechenden Zusagen bereit. Das Angebot werde nicht nur finanziell, sondern auch was die Strategie und die Perspektiven betreffe, dem Offert von ams überlegen sein. Die Gewerkschaft IG Metall und die Betriebsräte waren gegen das überraschende Angebot von ams Sturm gelaufen. Sie fürchten, dass Osram in diesem Fall zerschlagen würde. Ein Bain-Sprecher bestätigte den Brief an Osram, ohne sich genauer dazu zu äußern.

Bain hatte sich im Ringen um Osram ursprünglich mit dem Partner Carlyle verbündet. Sie bieten mit 35 Euro je Aktie aber deutlich weniger als ams und dürften bei den Aktionären keine Chance haben, obwohl ihr Angebot formal weiter läuft. Carlyle hatte eine Aufstockung Insidern zufolge abgelehnt, weshalb sich Bain einen neuen Partner suchte. Der Osram-Vorstand um Olaf Berlien hatte den Aktionären empfohlen, aus finanziellen Gründen das Angebot aus Österreich anzunehmen, aber nicht verhehlt, dass er eine Übernahme durch die beiden Finanzinvestoren bevorzugen würde.

Beim ams-Konzern war vorerst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Noch am Dienstag hatte das Unternehmen aus Premstätten bei Graz Zweifel geäußert, ob die tagelangen Spekulationen um ein neues Angebot von Bain und Advent nicht nur die Übernahme torpedieren sollten. Bis Dienstag hatten die Österreicher erst ein Zehntel der Osram-Aktien sicher, die sie brauchen - den Großteil durch eigene Aktienkäufe am Markt. Ihre Aktien angedient haben bisher nur zwei Prozent der Osram-Aktionäre. Um mehr Privatanleger von Osram anzusprechen, wirbt ams in Mails und auf Plakatwänden für sein Angebot. (reuters/kle)