Freiheit bedeutet Verantwortung. Für sich, aber auch für die Gesellschaft, für die Zukunft. Was hätte Hayek zur Bewegung "Fridays for Future" gesagt - Klima und Umwelt, öffentliche Güter, die staatlich geschützt gehören oder Ökodiktatur?

Innerhalb des Neoliberalismus müssen wir zwischen den Gleichgewichtstheoretikern, also dem, was heute überall auf der Welt dominiert, unterscheiden und Hayek, denn er ist in den Wirtschaftswissenschaften immer ein Außenseiter geblieben. Auf der Ebene der Wissenschaft ist klar, dass der Markt in Fragen der Umweltverschlechterung und des Klimawandels versagen muss.

Warum?

Ökonomische Aktivitäten verursachen soziale Kosten. Wenn jemand mit seinem Auto fährt, dann verursacht er private Kosten, für die er zahlen muss, z.B. Tanken. Die privaten Kosten gehen in Marktpreise ein. Aber die sozialen Kosten, auch externe Kosten genannt, die im System als Ganzes durch diese Aktivitäten verursacht werden, wie etwa die Emission von Treibhausgasen, werden in einer Marktwirtschaft nicht berücksichtigt. Das ist ein Marktversagen. Das geben fast alle Neoliberale auch zu. Aber: Es ist kein Zufall, dass Neoliberale die längste Zeit zu den Leugnern des Klimawandels gehört haben. Und wenn sie ihn nicht geleugnet haben, haben sie gesagt, er ist nicht menschengemacht. Und wenn sie sagen, na, er ist doch menschengemacht, dann haben sie die nächste Defensivposition eingenommen, man kann eh nichts dagegen machen. Und jetzt, nachdem die Probleme immer offenkundiger werden, müssen sie sich auch ein bisschen anpassen.

Die Politik kommt um das Thema nicht mehr herum. Bei der Position zu bleiben, hohe Steuern und ein umfangreicher Sozialstaat hindern die Wirtschaftsdynamik, ist schwierig. Schließlich gelang Ländern wie Norwegen der Umstieg auf alternative Antriebe durch starke politische Steuerung und sie sind wirtschaftlich erfolgreicher als Staaten mit niedrigeren Steuern und Ausgaben. Ist Hayek damit widerlegt?

Jetzt kommt der nächste intellektuelle Trick Hayeks, und der ist von elementarer Bedeutung. Er hat jede Überprüfung seiner Aussagen am Beispiel der Empirie prinzipiell abgelehnt. Er nennt das Apriorismus, das hat er von seinem Lehrer Ludwig von Mises übernommen und hat noch zusätzliche Begründungen nachgereicht, dass nämlich die ökonomische Realität einfach zu komplex sei, um sie als Grundlage einer Prüfung von Axiomen heranzuziehen. Das ist natürlich eine fundamentalistische Position, die die eigene Theorie gegen jede Kritik immunisiert. Denn wenn ich sage, mein Gedankengebäude ist logisch zwingend wahr, und weil es wahr ist, ist es irrelevant, wenn einzelne Beobachtungen mit den Erwartungen dieses Gedankengebäudes nicht übereinstimmen.

Also nach wie vor gilt: Ungleichheit und wenig Sozialstaat bringen die Wirtschaft in Schwung?