Über Wochen lief der Übernahmepoker um den börsennotierten Münchner Traditionskonzern Osram. Am Freitagabend ist ams nun an der selbst auferlegten Mindestannahmeschwelle gescheitert: Für das Zustandekommen der Übernahme hatten sich die Steirer vorgenommen, mindestens 62,5 Prozent der Osram-Aktien zu erreichen. Tatsächlich nahmen nur 51,6 Prozent die Offerte an, die am Dienstag ausgelaufen war, oder verkauften ihre Aktien direkt an ams. Geboten hatte der in Premstätten bei Graz ansässige Apple-Zulieferer 41,00 Euro pro Anteilsschein, was den Gesamtwert von Osram auf knapp 4,6 Milliarden Euro taxierte. Wenige Tage vor Ablauf der Angebotsfrist am 1. Oktober um 24 Uhr MESZ hatte der österreichische Hightech-Konzern bei seinem Offert noch nachgelegt.

Damit sollten der US-Finanzinvestor Bain Capital und dessen neuer Partner Advent aus dem Feld geschlagen werden. Beide hatten zuvor angekündigt, das ursprüngliche Angebot von ams – 38,50 Euro je Osram-Aktie – substanziell überbieten zu wollen, ohne aber einen Betrag zu nennen. In der Folge war von den US-Amerikanern allerdings kein konkretes Angebot mehr auf den Tisch gekommen. Zuvor hatte Bain mit dem US-Investmenthaus Carlyle 35,00 Euro pro Aktie geboten. Dieses in Konkurrenz zu ams stehende Angebot war jedoch nur noch rein formal gelaufen. Es galt als chancenlos, weil Carlyle nicht bereit war, es nachzubessern.

Steirer sind nun größter Osram-Aktionär

Mit 19,99 Prozent ist ams allerdings inzwischen der größte Aktionär von Osram und gibt den Plan einer Übernahme auch nach dem Rückschlag vom Freitagabend noch nicht auf. "Mit der Unterstützung der ams-Aktionäre prüft ams strategische Optionen, um die Akquisition von Osram, die ein stärkeres kombiniertes Unternehmen schafft, auf Basis seiner Aktionärsposition weiter zu verfolgen", hieß es in einer Mitteilung. Und ams-Vorstandschef Alexander Everke kündigte ein gespräch mit Osram-Chef Olaf Berlien an: "Im Dialog mit Osram wollen wir auf unserer Stellung als größter Aktionär von Osram aufbauen, um weiter den vollen Erwerb von Osram zu verfolgen und so eine solide Zukunft für das Unternehmen zu sichern." Denn an der Sinnhaftigkeit der Übernahme habe sich nichts geändert. Deshalb will Everke seinen Traum von der Erschaffung eines Weltchampions für optische Sensoren und Optoelektronik noch nicht aufgeben.

Osram will seine Eigenständigkeit behalten

Allerdings hatten zwar der Osram-Vorstand und der Aufsichtsrat das Übernahmeangebot von ams befürwortet, aber mit so vielen Bedenken, dass dies vielfach als verstecktes Nein gewertet wurde. Osram-Chef Berlien, der strategisch die – ebenfalls gescheiterte – Offerte der Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle bevorzugt hätte, erklärte am Freitagabend: "Nach dem Scheitern der bisherigen Übernahmeversuche behalten wir jetzt unsere Eigenständigkeit und gestalten unsere Zukunft selbst." Er wolle aber mit der Führung des neuen Großaktionärs ams darüber sprechen, "wie eine sinnvolle und für beide Unternehmen vorteilhafte Kooperation im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben aussehen könnte".

Auf besondere Gegenliebe war ams auch bei deutschen Gewerkschaftern nicht gestoßen. Die IG Metall hatte wiederholt vor einer Zerschlagung von Osram durch ams gewarnt, was viele Jobs kosten könnte. Osram-Manager waren zudem skeptisch, ob die hoch verschuldete ams die Übernahme finanziell überhaupt schultern könne. Sollte die Übernahme doch noch gelingen, wäre es die bisher größte Akquisition eines österreichischen Industrieunternehmens im Ausland. n (kle)