Sie kritisieren immer wieder die ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen Straße und Bahntransit? Was meinen Sie damit?

Ich bin für Wettbewerb zwischen den Verkehrsträgern, aber nur mit gleichen Spielregeln. Davon sind wir jedoch weit entfernt. Die Kostenwahrheit zwischen Lkw und Bahn ist ein Witz. Der Lkw wird zu einem Drittel von der Allgemeinheit gefördert. Darunter Lärmschutz oder die Polizei, die wir alle zahlen, damit sie auf der Autobahn kontrolliert. Auf der Schiene zahlen das die Unternehmen.

Die Polizei auf der Schiene zahlen die Unternehmen?

Wir haben auf der Schiene eine eigene Sicherheitsbehörde, beheimatet innerhalb der ÖBB Infrastruktur. Diese Behörde achtet darauf, dass die Züge in Ordnung sind, dass nicht zu schnell gefahren wird usw. Das zahlen die Unternehmen.

Was müsste geschehen, damit es gleiche Bedingungen gibt?

Wir haben in Österreich ein Dieselprivileg in der Größenordnung von 700 Millionen Euro, das müsste abgeschafft werden. Der Bahnstrom, der zu 100 Prozent umweltfreundlich ist, wird hingegen so hoch besteuert wie nirgendwo in Europa. Kerosin hat übrigens gar keine Besteuerung, das internationale Flugticket hat keine Mehrwertsteuer. Ein internationales Zugticket hingegen schon. Da müssen wir gleiche Voraussetzungen für alle schaffen. Auch auf technischer Ebene.

Inwiefern?

Es gibt in Europa den Fluch der Geschichte. Früher war die Bahn ein militärisches Mittel. Jedes Land entwickelte eigene technische Normen, damit ein anderes Land nicht ohne Weiteres durchfahren konnte. Diese unterschiedlichen Normen gibt es noch heute. Jedes Land hat eigene technische Standards, etwa bei der Zugsicherung, Zugschlusssignalen, bei betrieblichen Regelungen, wie etwa ein Zug gefahren wird. Auch bei der Zulassung. Wir müssen in jedem Land unsere Lokomotiven einzeln zulassen. Die Standards müssen daher rasch vereinheitlicht werden. Es braucht eine europäische Zulassung, wie beim Lkw. Damit wir in Wien unsere Lokomotive anmelden und im ganzen europäischen Netz unterwegs sein können.

Es gibt immer mehr Billig-Buslinien quer durch Europa, kann die Bahn da preislich mithalten?

Das ist nicht nur ein Preis-, sondern auch ein Komfortthema. Dort, wo wir attraktive Zugverbindungen haben, wie etwa auf der Weststrecke, tun uns die Fernbusse nicht weh. Auf der Südstrecke spüren wir sie schon. Da sind wir noch nicht attraktiv genug, insbesondere in Richtung Kroatien. In Brüssel werben wir intensiv dafür, dass der Westbalkan sein Eisenbahnnetz modernisiert.

Billige Bustickets, teurere Bahntickets. Besteht die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft?

Das sehe ich nicht. Gerade die österreichische Bahn hat ein Preisniveau, das für westeuropäische Länder sehr niedrig ist. Wir bieten eine schnelle, bequeme, umweltfreundliche Mobilität zu leistbaren Preisen.