Apropos umweltfreundlich. Das Magazin "Spiegel" berichtete zuletzt darüber, dass die Deutsche Bahn die Gleise tonnenweise mit Glyphosat besprüht, um Unkraut zu vernichten. Das Grundwasser entlang der Bahnstrecke ist dadurch verseucht. Wie wird Unkraut von österreichischen Bahngleisen ferngehalten?

Wir haben zu hundert Prozent grünen Bahnstrom, den wir zu einem Drittel selbst in unseren Wasserkraftwerken erzeugen. Wir haben auch ein Photovoltaik-Kraftwerk. Aber klar, wir sind in der Umweltfrage nicht am Ende der Fahnenstange angelangt. Auch die ÖBB verwendet das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat, 2018 waren es knapp 2,7 Tonnen. Wir wollen aber den Ausstieg.

Gibt es alternative Methoden?

Wir haben noch nichts Umweltverträgliches gefunden, arbeiten aber intensiv mit Umweltorganisationen wie Greenpeace und Global 2000 zusammen, um rasch einen Umstieg zu schaffen.

Ist Bahnfahren dann überhaupt 100 Prozent umweltfreundlich?

Wir sind noch nicht so weit. Aber wir wollen bis zum Jahr 2030 komplett CO2-neutral im Verkehrsbereich sein. Busse und Diesellokomotiven sollen bis dahin durch alternative Antriebe ersetzt werden. Bis 2050 soll das gesamte Unternehmen CO2-neutral sein. Da müssen wir dann auch die Häuser CO2-neutral machen.

Umweltfreundlich soll auch der Warentransport zwischen China und Europa sein. Derzeit realisiert die Volksrepublik das Megaprojekt Seidenstraße. Österreich bemüht sich dabei um einen direkten Breitspuranschluss mit Endterminal im Großraum Wien. Wissen Sie, wie viele Memoranden dafür schon unterzeichnet wurden?

(lacht) Es ist gute Tradition zwischen China und europäischen Wirtschaftstreibenden und Ländern, dass man Memoranden unterschreibt. Diese Memoranden zeigen durchaus Wirkung, wie an den stetig steigenden Transportmengen gesehen werden kann. Auch die Mengen von Europa nach China steigen. Ich appelliere an die europäische Industrie, vor allem an die österreichische: Fürchtet euch nicht immer, die chinesische Mittelschicht - immerhin 250 Millionen Menschen - fragt europäische Waren nach. Also, dann versuchen wir es auch, dorthin zu exportieren, gerne mit dem Zug. Das funktioniert in 14 Tagen glänzend.

Wozu braucht Österreich den Seidenstraßen-Anschluss, die Waren werden ja schon jetzt mit der Bahn von China nach Wien transportiert?

Ich kämpfe für den österreichischen Wirtschaftsstandort. Überall dort, wo sich Logistik befindet, entsteht Wirtschaftswachstum und Wohlstand. In Duisburg kann man sehen, wie sich eine Krisenregion mit dem Bau eines Logistikhafens in eine prosperierende Region entwickelt hat. Ich bin der Meinung, dass es so einen Logistikhafen auch im Großraum zwischen Wien und Bratislava geben soll. Wir könnten Süddeutschland, Frankreich, Oberitalien gut versorgen.

Zuletzt war auch die Rede von einer Südroute, die nach Triest führt. Können Sie das bestätigen?