Wien/Graz/München. Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch des steirischen Chip- und Sensorherstellers ams ist alles andere als klar, wie es nun mit dem defizitären Münchner Licht-Konzern Osram weitergeht. Mehrere Szenarien kommen dabei in Frage.

Möglich wäre etwa, dass Osram als Unternehmen auch in Zukunft selbständig bleibt, mit ams aber eine Kooperation eingeht. Osram-Finanzchef Ingo Bank sagte am Montag dem Sender CNBC: "Wir haben sie zu Gesprächen eingeladen und müssen sehen, was das Ergebnis sein wird." Von ams gab es vorerst keine Reaktion auf das Gesprächsangebot.

Zwar hat der Hightech-Konzern aus Premstätten bei Graz das selber gesetzte Ziel, 62,5 Prozent der Osram-Aktien in seinen Besitz zu bringen, mit 51,6 Prozent relativ deutlich verfehlt. Über Aktienkäufe an der Börse, die während des Bieterverfahrens erfolgten, hat er sich aber mit fast 20 Prozent zum größten Einzelaktionär der einstigen Siemens-Tochter gemacht. Und damit verfügt er nicht nur über ein nicht unerhebliches Stimmengewicht in den Hauptversammlungen von Osram, sondern kann auch Sitze im Aufsichtsrat des deutschen Traditionskonzerns beanspruchen.

Mit Blick auf diese Aspekte hat Osram-Chef Olaf Berlien schon am Freitag, als das Ergebnis des Bieterverfahrens verkündet wurde, eine "sinnvolle und für beide Unternehmen vorteilhafte Kooperation" angeregt. Sowohl Osram als auch ams sind als Zulieferer für die Autoindustrie tätig. Licht und Sensoren würden sich demnach ergänzen, womit sich auch zumindest ein Teil der von ams erhofften Synergien zum Nutzen beider Firmen heben ließe.

Aktienkurse von Osram und
ams am Montag unter Druck

Indes hatte ams noch am Freitag wissen lassen, dass man die Akquisition von Osram weiter verfolgen wolle, um einen "global führenden Anbieter von Sensoriklösungen und Photonik" zu schaffen. Welcher Weg hier eingeschlagen werden soll, wurde jedoch nicht gesagt. Eine Möglichkeit bestünde jedenfalls darin, dass ams den Anteil an Osram über Zukäufe an der Börse sukzessive aufstockt - und zwar auf mehr als 30 Prozent. Dies würde automatisch die Pflicht zu einem Übernahmeoffert auslösen und ams könnte erneut in den Bieterring steigen. Damit könnte auch die zwölfmonatige Wartefrist für ein neues Angebot, die am Freitag mit der geplatzten Übernahme eingesetzt hat, ausgehebelt werden.

Ebenfalls nicht ausgeschlossen ist, dass die US-Finanzinvestoren Bain Capital und Advent (Kernaktionär der österreichischen Addiko Bank) jetzt doch noch ein Übernahmeangebot vorlegen, nachdem ams gescheitert ist. Doch dieses Offert müsste weit über dem, was die Steirer mit 41 Euro je Aktie ursprünglich geboten hatten, liegen, damit diese ihre jetzigen Anteile an Osram wieder abstoßen. Ohne das Aktienpaket von ams wäre für die Amerikaner bei Osram aber nicht viel Staat zu machen. Bain und Advent werfen derzeit zwar einen Blick in die Bücher von Osram. Dass von ihnen aber tatsächlich noch ein Angebot kommt, gilt bei Analysten als nicht sehr wahrscheinlich.

Aufgrund der ungewissen Aussichten für Osram ist deren Aktienkurs am Montag um bis zu 4,6 Prozent abgerutscht. Runter ging es aber auch bei ams: Da gab der Kurs knapp 2 Prozent nach.