Wien. Die Erwerbstätigkeit von Müttern mit jungen Kindern ist in den vergangenen 15 Jahren deutlich gestiegen. Aus Sicht der Arbeiterkammer (AK) liegt das vor allem an der Einführung der Elternteilzeit im Jahr 2004. Wer Rechtsanspruch darauf hat, findet leichter ins Berufsleben zurück, so AK-Präsidentin Renate Anderl. Trotzdem bleiben viele Frauen in der Teilzeit-Falle, gab sie zu bedenken.

Zwar sind heute deutlich mehr Frauen erwerbstätig, bei der Stundenzahl bleiben sie jedoch im niedrigen Bereich - und zwar dauerhaft und mit deutlichen Auswirkungen auf das Gehalt. Familie und Job unter einen Hut zu bringen, müsse leichter und auch anerkannt werden, forderte Anderl am Mittwoch bei der Präsentation einer gemeinsamen Studie mit dem Forschungsinstitut Forba zu Erwerbstätigkeit und Elternteilzeit. Sie fordert ein Umdenken in Gesellschaft und Unternehmen.

Für die Studie wurden Daten der Statistik Austria Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung von 2005 bis 2017 analysiert. Demnach war 2005 die Hälfte der Frauen, deren jüngstes Kind zwischen zwei und drei Jahren alt war, nicht erwerbstätig, 34 Prozent arbeiteten Teilzeit und 10 Prozent hatten eine Vollzeit-Stelle. 2017 waren nur noch 36 Prozent nicht erwerbstätig, der Teilzeit-Anteil stieg auf 52 Prozent, während der Vollzeit-Anteil auf 7 Prozent zurückging.

War der jüngste Nachwuchs 2005 zwischen vier und sechs Jahren alt, arbeiteten 16 Prozent der Mütter Vollzeit und 43 Prozent Teilzeit. 34 Prozent waren nicht erwerbstätig. 2017 lag dieser Anteil bei 23 Prozent, zeitgleich stieg der Anteil teilzeitbeschäftigten Mütter auf 58 Prozent, der Vollzeitanteil sank auf 12 Prozent.

Im Schnitt lag die wöchentliche Arbeitszeit von Müttern mit vorschulpflichtigen Kindern im Beobachtungszeitraum von 2005 bis 2017 bei 19 bis 23 Stunden. Dazu kommen allerdings noch 27 Stunden pro Woche, die erwerbstätige Frauen unbezahlt in Haushalt, der Kinderbetreuung oder Pflege leisten, so die AK.

Bei Müttern mit mittleren Abschlüssen wie Lehre, Matura oder Kolleg ist die Erwerbstätigkeit am stärksten gestiegen. Wenig hat sich hingegen bei Frauen mit Pflichtschulabschlüssen getan. Das habe auch damit zu tun, "dass diese Zielgruppen weniger Rechtsanspruch auf Elternteilzeit haben", so Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie in der Wiener AK.