Wien. Das Sparverhalten der Österreicher hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert, die Sparquote ist gesunken: Während 2009 noch 11,4 Prozent vom frei verfügbaren Einkommen gespart wurden, liegt der Wert heuer nur noch bei 7,4 Prozent. Dabei bleibt die Einlage am Sparbuch trotz Niedrigzinsen die Nummer eins, Veranlagungen in Wertpapiere nehmen nur gering zu.

Für Anlagen wird noch immer zuallererst das Sparbuch herangezogen, Wertpapiere machen nur einen geringen Teil aus, auch wenn ihr Anteil in den vergangenen zehn Jahren leicht gestiegen ist. Der Anteil der Spareinlagen am Geldvermögen der Österreicher ist von 40,1 auf 37,3 Prozent zurückgegangen, der Anteil der Lebensversicherungen von 12,6 auf 11,6 Prozent. Der Anteil der Fonds halbierte sich von 8,5 auf 4,3 Prozent de facto, der Anteil der Anleihen stieg von 7,6 auf 9,0 Prozent. In Aktien sind nur 3,7 Prozent des Geldvermögens veranlagt, vor zehn Jahren waren es gar nur 2,9 Prozent, geht aus Daten der Nationalbank (OeNB) hervor. Damit sind die bei Banken veranlagten Gelder erfasst, der Rest auf 100 Prozent entfällt auf Bargeld, Pensionskassenansprüche und Sonstiges.

Monatlich werden rund 259 Euro gespart

Laut OeNB liegen bei österreichischen Banken mehr als 260 Milliarden Euro auf gering verzinsten Produkten, um 27 Prozent mehr als noch 2009. Aufgrund der geringen Einlagen-Zinsen und der in manchen Jahren hohen Inflation verlieren die Österreicher seit 2015 (nach Abzug der Inflation) 14,7 Milliarden Euro an Kaufkraft. Das ist eine negative Rendite von durchschnittlich minus 1,6 Prozent pro Jahr, hat die Erste Bank errechnet. "Das Sparbuch eignet sich besonders in diesem Zinsumfeld nur mehr als kurzfristige Liquiditätsreserve", so Erste-Bank-Chef Peter Bosek am Montag. Die Erste Bank rät ihren Kunden deshalb zu Investments in Wertpapiere, die sind freilich mit höheren Risiken verbunden.

Insgesamt 900 Österreicher wurden im Rahmen einer repräsentativen Imas-Studie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen zu ihrem Sparverhalten befragt. Im Durchschnitt gaben die Befragten an, dass sie rund 259 Euro monatlich sparen können.

Die Sparmotive wurden ebenfalls ermittelt: Der Notgroschen bleibt das Hauptmotiv fürs Sparen mit 82 Prozent, vor zehn Jahren waren es mit 84 Prozent nur etwas mehr. Ein deutlicher Rückgang ist beim Thema Altersvorsorge zu sehen: Gaben 2009 noch 56 Prozent der Befragten an, dass sie dafür Geld zur Seite legen, sind es 2019 nur mehr 40 Prozent. Für Urlaubsreisen wollen 31 Prozent sparen, nach 22 Prozent vor zehn Jahren. Größere Anschaffungen wie Haus, Wohnung oder Auto sind für 49 Prozent das Sparmotiv, vor zehn Jahren waren es nur 42 Prozent. (apa/kle)