Die Industriellenvereinigung will kleineren Unternehmen den Gang an den Wiener Kapitalmarkt erleichtern. Dafür fordert der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, von der künftigen Regierung Förderungen für die Kosten eines Börsengangs sowie für die laufenden Kosten einer Notierung. Zuletzt gingen vor allem große Firmen an die Börse.

"Von 2017 bis 2019 gab es 11 Neuzugänge und 15 Abgänge an der Wiener Börse", sagte Herwig Schneider vom Industriewissenschaftlichen Institut (iwi) am Montag vor Journalisten. Allerdings seien dabei vor allem kleine Unternehmen von der Börse gegangen, während größere Firmen neu in den Kapitalmarkt eingestiegen seien, ergänzte Robert Ottel, Präsident des Aktienforums. Für kleinere Betriebe seien die Kosten einer Kapitalmarktnotierung oft überproportional hoch, daher müsse ihnen mehr unter die Arme gegriffen werden. Ottel kann sich hierbei eine Förderung für den Börsengang an sich, aber auch Freibeträge für die laufenden Kosten einer Börsennotierung vorstellen.

Weiters erneuerten IV und Aktienforum ihre Forderungen nach einer Wiedereinführung der Spekulationsfrist sowie nach einer Senkung der Kapitalertragssteuer (KESt). Man müsse - vor allem im aktuellen Niedrigzinsumfeld und in Zeiten der sich abschwächenden Konjunktur - zwischen Spekulationsgeschäften und langfristigem Vermögensaufbau am Kapitalmarkt unterscheiden. Dementsprechend müsse die Behaltefrist von einem Jahr wieder eingeführt und mit KESt besteuert werden, während ein langfristiger Vermögensaufbau von der KESt befreit werden sollte, so Ottel. Geht es nach der IV, soll die KESt zudem auf 25 Prozent sinken.

"Wir sprechen uns dafür aus, die von der früheren Regierung geplante Steuerreform auch umzusetzen. Vor allem die Tarifsenkungen bei der Einkommensteuer, aber auch die Senkung der KÖSt muss aus unserer Sicht umgesetzt werden", sagte Neumayer.

Mit 25 Prozent liege die KÖSt in Österreich immer noch klar über dem europäischen Schnitt. In einigen anderen europäischen Ländern seien KÖSt-Senkungen bereits umgesetzt worden oder geplant. Als Beispiel führte Neumayer Schweden an, wo die KÖSt bis 2021 auf rund 21 Prozent gesenkt werden soll - "und das mit grüner Regierungsbeteiligung", wie Neumayer anmerkte.

Die Aktionärsquote in Österreich sei mit rund 6 Prozent noch sehr gering. Zum Vergleich: In Schweden sind laut Deutschem Aktieninstitut 19 Prozent der Bevölkerung an der Börse investiert, in der Schweiz 20 Prozent, in den Niederlanden sogar 30 Prozent.

Um diese Quote auch in Österreich zu heben, brauche es nicht nur steuerliche Anreize, sondern auch das nötige Finanzwissen der Bevölkerung. Das Thema müsse in die Lehrpläne einfließen, zudem fordert die IV, dass der Pisa-Test der OECD zum Thema "Financial Literacy" auch in Österreich durchgeführt wird. Nur so könne man sehen, wie es um Finanzbildung stehe.(apa)