Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Der österreichische Endkundenpreis besteht zu 36,5 Prozent aus Steuern und Abgaben in Form von fünf verschiedenen Komponenten, darunter etwa auch Ökostromförderkosten in Höhe von 8,4 Prozent. Einen ebenso großen Anteil betragen die Netzkosten. Die Kosten für die reine Energie machen 27,9 Prozent des Gesamtpreises aus. Im europäischen Vergleich liegt der österreichische Strompreis im Mittelfeld. Durchschnittlich kostet die Kilowattstunde (kWh) hierzulande 20,12 Cent, davon entfallen 7,47 Cent auf Steuern und Abgaben.

Wie schaut es in den Nachbarländern aus?

Den höchsten Preis für Energie und Netz zahlen EU-weit die Iren und Belgier mit rund 20 Cent pro kWh, in Bulgarien gibt es den günstigsten Strom. Den höchsten Preis sowie die meisten Steuern und Abgaben veranschlagt Dänemark mit mehr als 30 Cent pro kWh beziehungsweise 19,7 Cent pro kWh. Deutschland liegt auf Platz zwei. Hier kostet eine kWh 30 Cent, davon entfallen 16,22 Cent für Steuern und Abgaben. Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei 21,13 Cent pro kWh beziehungsweise 7,84 Cent.

Auf welche Preise müssen wir uns künftig einstellen?

Die Energiewende, weg von Öl, Gas und Kohle hin zu erneuerbaren Energiequellen - auch und besonders im Verkehr -, bedeutet einen drastischen Anstieg des Strombedarfs. Experten rechnen damit, dass sich der Strompreis mindestens verdoppeln, bis zu vervierfachen wird, da etwa stark in Netze und Speichertechniken investiert werden muss. Allerdings wird der Endverbraucher auch nur ein Viertel des heute benötigten Stroms verbrauchen - der ineffiziente Nutzer könnte allerdings draufzahlen.

Wer bestimmt den Strompreis?

Seit der Liberalisierung 2001 ist der Strommarkt in Österreich auf 150 Stromanbieter mit rund 130 Produkten angewachsen. Jeder Kunde hat das Recht auf Netzzugang mit freier Lieferantenwahl - zu behördlich bestimmten Netzzugangsentgelten. Strom aus Österreich, Frankreich und Deutschland wird zu Marktpreisen an der Strombörse EEX (European Energy Exchange) in Leipzig gehandelt. Die Preisbildung erfolgt mit Zeitverzug, da die Händler langfristig einkaufen. Deswegen korrespondiert der Preis für den Endkunden oft nicht mit aktuellen Marktentwicklungen.

Gefährden erneuerbare Energieträger die Versorgungssicherheit?

Wenn das gesamte Energiesystem dekarbonisiert werden soll, müssen erneuerbare Energiequellen immens ausgebaut werden. Daraus ergibt sich das Risiko "kalte Dunkelflaute", und zwar länderübergreifend. Aufgrund von Schwachwind, starker Bewölkung sowie jahreszeitbedingter Dunkelheit über mehrere Tage oder Wochen hinweg produzieren Windkraft- und Solaranlagen zu wenig Strom, um die gleichzeitig kältebedingt hohe Nachfrage zu decken. Der bevorstehende Atom- und Kohleausstieg in Deutschland hat damit auch Folgen für die umliegenden Länder. Stellt ganz Europa seine Stromproduktion auf erneuerbare Energiequellen um, hat das schwerwiegende Folgen für die Versorgungssicherheit. Die Erzeugungslücken und Überschüsse aus Wind und Sonne müssen ausgeglichen werden und erfordern den Ausbau von Netzen sowie Wochen- und Saisonalspeichern. Der Sommer muss mittels dieser Speicher in den Winter und die Mittagsstunden müssen in den Abend gebracht werden. So gibt es etwa von April bis September Überschüsse von Wind, Photovoltaik und Laufwasser, von Oktober bis März wiederum Fehlmengen. Saisonalspeicher, etwa mittels Wasserstoff, stehen aber noch am Anfang der Entwicklung. Durch erneuerbares Gas aus Biomethan, Wasserstoff und synthetisches Gas könnte aber auch der Gasverbrauch bis 2050 weitgehend erneuerbar werden. Das erfordert allerdings ebenfalls einen Umbau von Back-up-Systemen (Speicher und Kraftwerke, die jederzeit abrufbar sind).